Amflora – die Hochleistungskartoffel

Geschrieben von: Günther Wiedl

Die Kartoffel zählt zu den Wurzelgemüsearten (Solanum tuberosum), wobei der oberirdische Teil  aufgrund seines hohen Alkaloidgehaltes für den Menschen toxisch ist. Der Fruchtkörper befindet sich als Knolle im Erdboden und wird nicht nur als Grundnahrungsmittel für den Menschen verwendet, sondern auch als ertragreicher Stärkelieferant in der Industrie herangezogen.

Neben dem Hauptbestandteil Wasser ist die Stärke mit einem Gehalt von 18 bis 21 Prozent der wichtigste Bestandteil der Kartoffelknolle. Sie ist hochmolekular und besteht aus Kohlenhydraten wie Amylose und Amylopektin, Mineralstoffen, wenig Fett und Vitaminen.

Für industrielle Zwecke wird wegen der Kleistereigenschaft hauptsächlich das Amylopektin benötigt. Um die beiden Proteine zu trennen muss viel Energie und Wasser verwendet werden. Aus diesem Grund wurde von BASF Plant Science die Kartoffelsorte Amflora gezüchtet, die ausschließlich Amylopektin synthetisiert. Um das Enzym Stärkesynthetase auszuschalten, das an der Bildung von Amylose beteiligt ist, bedienten sich die Forscher der „Antisense Strategie“. Die Idee dahinter besteht aus der Erzeugung einer spiegelbildlichen Kopie des Gens, der Stärkesynthetase, in der Erbsubstanz, wodurch die Aktivität des Enzyms blockiert wird.

Viele Gentechnik kritisierende Verbände stellten die Unbedenklichkeit von Amflora aufgrund des Markergens, das eine Antibiotikaresistenz (gegen Kanamycin) vermitteln soll, infrage. Im Jahr 2009 erklärte jedoch die EFSA (European Food Safety Authority) Amflora als unbedenklich, da der Transfer eines Markergens von einer gentechnisch veränderten Pflanze auf Bakterien extrem unwahrscheinlich sei.

Schließlich wurde die Kartoffelsorte 2010 zugelassen. Amflora ist zwar ausschließlich als Rohstoff für die Stärkeindustrie gedacht, jedoch wird ein Teil der anfallenden Reststoffe bei der Verarbeitung als Futtermittel verwertet. Auch die Zulassung als Lebensmittel wurde angestrebt, da die Möglichkeit einer „zufälligen, technisch unvermeidbaren Beimischung“ besteht und Amflora in Lebensmittelverarbeitungen gelangen könnte.
2010 hatte die Anbaufläche in Deutschland eine Größe von rund 15 Hektar.

Die antibiotikaresistente Gentechnik-Kartoffel Amflora wurde nun Anfang 2012 von Chemie- und Gentechnikkonzern BASF aufgrund mangelnder Akzeptanz vom europäischen Markt genommen. Auch in Österreich, Deutschland, Frankreich, Ungarn, Luxemburg, Griechenland, Italien und Bulgarien gibt es Anbauverbote für „MON810“ beziehungsweise Amflora.

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Quelle:

http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=1076297

http://www.biosicherheit.de/forschung/kartoffel/263.amflora-kartoffel-industrie.html

„Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung“ Robert Ebermann, Ibrahim Elmadfa, 2008 – Springer Verlag, ISBN: 9783211486498


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Datum: Mittwoch, 9. Januar 2013 15:56
Themengebiet: Glossar, Zucker und Stärke liefernde Pflanzen Trackback: Trackback-URL
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