“FairTradeFuel Cameroon kultiviert in Kamerun eine Pflanze mit dem Namen Jatropha curcas” - Im Gespräch mit Christian Kaiser

Geschrieben von: KM

Klaus-Martin Meyer: Herr Kaiser, Sie sind der Initiator der FairTradeFuel Cameroon Ltd. Könnten Sie sich und ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Christian Kaiser: Gerne, zunächst möchte ich die Ausgangssituation welche zu der Gründung von FairTradeFuel Cameroon geführt hat darstellen.

In Deutschland ist bereits durch die Gesetzgebung “Erneuerbares Energie Gesetz kurz: EEG” Platz geschaffen worden, um Alternativen auf den Markt zu lassen. Die Besteuerung von Biobrennstoffen zeigt, daß Diese ernstzunehmende Energielieferanten sind, welche in zunehmenden Maße Anwendung finden im Speditionsgewerbe aber vor allem auch bei der Stromerzeugung.

Das von Deutschland unterzeichnete Kyoto Protokoll stützt zudem das Bestreben, nachhaltig produzierte Energien zu verwenden, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. In Europa werden seit Jahren mehr und mehr Motoren (Nutzfahrzeuge, Stromerzeuger, Baumaschinen u.s.w.) auf den Betrieb mit Pflanzenöl umgerüstet und mit Pflanzenöl als Treibstoff nach DIN 51605 betrieben.

Da der Bedarf an Pflanzenöl als Treibstoff durch Raps aus Deutschland nicht zu decken ist, werden nachweislich 80% des Öls importiert. Hierbei spielen billiges Sojaöl aus Brasilien und Palmöl aus Asien eine wichtige Rolle. Umweltschutzorganisationen klagen an, daß für das Anlegen von Sojafeldern in Brasilien und Palmölplantagen in Malaysia nachweislich Regenwald gerodet wird. Die EU (europa.eu.int) Politik verläßt sich derzeit auf eine Annahme, daß der schwer subventionierte Anbau von Raps die Kyoto-Ziele einhalten läßt.

Bereits 3 Millionen Hektar des landwirtschaftlichen Landes in der EU, das ist grob die Größe von Belgien, produzieren 10 Millionen Tonnen Raps. Da Raps einen Ölgehalt von 32% hat, können davon höchstens 3 Millionen Tonnen Pflanzenöl als Treibstoff produziert werden. Es müßte noch einmal die Größe von Belgien als Raps angebaut werden, um das Kyoto-Ziel zu erreichen. Raps erfordert als einjährige Pflanze eine strenge Einhaltung der Fruchtfolge (alle 4 Jahre), um den Acker nicht zu ermüden. Da, statt Mischfruchtanbau in Europa Monokulturen bevorzugt werden, hält dies die Landwirte davon ab, umweltfreundlich zu bewirtschaften und schonender zu erzeugen. Unter diesen Verhältnissen wird die Versorgung mit Pflanzenöl aus Europa kaum fähig sein, die Nachfrage zu befriedigen.

Der Markt benötigt also beides:
Zuerst in Bezug auf die Energienachfrage für den Diesel, einen Ersatz in Form von Pflanzenöl als Treibstoff zu bekommen und gleichzeitig hat er das Bedürfnis, den umweltfreundlichen Energieverbrauch zu sichern.

Die subtropische Pflanze Jatropha curcas kann damit eine bedeutende Rolle für die oben erwähnten Bedürfnisse übernehmen.

Daher habe ich im Jahr 2005 ein Konzept entwickelt welches den nachhaltigen Anbau von Jatropha Curcas als Energiepflanze zulässt und gleichzeitig den Nahrungsmittelanbau auf dem gleichen Acker zur gleichen Zeit stützt. Im Rahmen der von Bill Mollison und David Holmgreen entwickelten Permakultur werden natürliche Symbiosen unter den Pflanzen und Tieren wieder hergestellt und damit der Ertrag auf dem Feld/Busch potenziert. Das bedeutet im Klartext dass wir weg von der Monokultur und hin zum Mischfruchtanbau gehen.
FairTradeFuel Cameroon kultiviert in Kamerun eine Pflanze mit dem Namen Jatropha curcas “Purkiernuss”. Diese Pflanze ist in der Lage einer Wüstenbildung “Desertifikation” vorzubeugen und gleichzeitig  mit den Wurzeln erosionshemmend zu wirken.

Dabei wird weder Düngung, Brandrodung noch  Einzäunung des uns zur Verfügung gestellten Landes angewendet. Wir bevorzugen einen Mischfruchtanbau bei dem die biologischen Prozesse im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten stehen. Wir zeigen, dass Nahrungsmittel- und Energie-Produktion durchaus in Einklang zu bringen sind.

Nach dem Vorbild von Ibrahim Abouleish, Gründer der Sekem und Träger des Alternativen Nobelpreises, sollen Menschen in Kamerun auf der Grundlage eines ganzheitlichen Entwicklungsansatzes leben und arbeiten können. Eine strukturierte und durch Institutionen begründete Einheit von Wirtschaft, Kultur und Sozialem soll entstehen.

Klaus-Martin Meyer: Das Stichwort FairTrade ist im Bereich der Biodiesel-Produktion sicher nicht selbstverständlich. Wie wollen Sie diesen Anspruch in die Tat umsetzen?

Christian Kaiser: Die Umsetzung ist einfach und schwierig zugleich. Bleibe ich bei dem Gedanken mit Jatropha Curcas Treibstoff zu produzieren kann das Prädikat FairTrade unter gewissen Umständen zu Absatzproblemen führen. Daher arbeite ich in den Ausschüssen und Arbeitsgruppen für die Einbindung von FairTrade in den Import von Treibstoff nach Europa. Aber wer sagt denn, dass ich Jatropha Öl als Treibstoff verkaufen muss? Jeder der sich ein wenig mit dieser Pflanze  beschäftigt, weiss dass unendlich viele Möglichkeiten bestehen daraus etwas anderes zu erzeugen. Ich erinnere nur an die Seifenproduktion vor 80 Jahren, Drogerieartikel und auch Kerzen. Um nicht wieder in ein Kolonialtum zu verfallen wird FairTrade immer im Focus bleiben.

Klaus-Martin Meyer: Gerade die Jatropha-Pflanze scheint sehr viel spekulatives Kapital anzuziehen. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen angesichts der Aufbauarbeit, die notwendig ist, bis eine Plantage volle Erträge erzielt?

Christian Kaiser:
Investoren werden von den Renditen häufig geblendet und verkennen die Fähigkeiten Ihrer Schlüsselpersonen vor Ort. Ich bereise Afrika seit 18 Jahren und habe mein eigenes Netzwerk geschaffen auf das ich mich in Guten wie in schlechten Zeiten verlassen konnte. Gerade die Krisen zeigen wie loyal die Mitarbeiter zu einem stehen und lassen das Potenzial und die Fähigkeiten erkennen, zu denen Sie im stande sind. Mit Geld funktioniert alles meistens wunderbar, aber wenn keines mehr da ist oder von Anfang an wenig vorhanden ist, dann wird mit einer ganz anderen Grundstimmung gearbeitet.

Trauriges Beispiel: Ein Soldat der für Geld in den Krieg zieht oder ein Kämpfer der für ein Ziel eine Vision kämpft ersetzt leicht zehn Soldaten. Die Vision ist bei uns gesunde und glückliche Menschen zu beschäftigen die in einem gesunden Umfeld gerne mit uns Leben und arbeiten.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell ist auch viel Ernüchterndes über die Jatropha zu lesen. Wie schätzen Sie das Potential der Pflanze insgesamt ein. Welche Wertschöpfungsoptionen sehen Sie über die Biodieselproduktion hinaus?

Christian Kaiser: Über die Biodieselproduktion hinaus sehe ich genügend Wertschöpfungsoptionen. Selbst wenn Jatropha Curcas unberührt in der Landschaft stehen bliebe trägt diese einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz bei, den man bekanntermaßen mit Geld nicht fassen kann.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss würde uns Ihr Ausblick interessieren. Wo sehen Sie die Entwicklung der Jatropha im Allgemeinen und Ihrer Firma im Besonderen in den kommenden fünf Jahren?

Christian Kaiser: Das kommt zum Einen auf das Kapital an, dass der einzelne Investor für Jatropha investieren möchte und zum anderen auf die Fähigkeiten der Schlüsselpersonen Vor Ort an.

Wenn Sie zehn Projekte untersuchen, werden Sie enttäuscht feststellen, das nur zwei Projekte funktionieren, weil die Investoren potent und die Schlüsselpersonen vor Ort zäh und kompetent genug sind diese Projekte zu fahren.

Stellen Sie sich einen guten Go Kart Fahrer vor, der auf einmal in einem Formel eins Geschäft ein ebensolches Auto steuern soll. Der muss schon einmal auf einem anderen Parkett bewiesen haben, dass er in der Lage war ein Unternehmer zu sein und mit Fleiss und Idealismus eignes Geld verdient zu haben. Erst dann kann er das Geld der Investoren wertschätzen und treuhänderisch verwalten. Dabei ist es dann Egal ob wir hier über 1, 10 oder 50 Mio sprechen. Transparenz und Dokumentation sind meines erachtens die Schlüssel um auch in einem der korruptesten Länder dieser Erde erfolgreich zu Arbeiten.

Für FairTradeFuel Cameroon Ltd. heisst das konkret, je breiter wir uns in den nächsten 5 Jahren aufstellen desto unbedeutender werden die Steine die uns in den Weg gelegt werden können. Von Solarenergie, Lkw und Maschinen Handel, Farmer Schulung, Flugzeugbau, Naturschutz, Food Produktion, Kaffee über Health Care ist alles vertreten und alles wird hier in Kamerun in Anspruch genommen.

Unsere Kunden zahlen für unsere Leistungen gerne einen fairen Preis.

In diesem Zusammenhang danke ich für das Interview und wünsche allen Lesern aus dem 25°C warmen Kumbo 2000m üNN (Westafrika) eine frohe und besinnliche Weihnacht.


Stichworte: ,

Datum: Dienstag, 23. November 2010 20:23
Themengebiet: Öl- und Proteinpflanzen Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben