Interview mit Albrecht von Hagen zum Thema Miscanthus

Geschrieben von: KM

nachwachsende-rohstoffe.biz: Herr von Hagen, können Sie sich bitte kurz vorstellen und den Lesern die Vorzüge der Miscanthus-Pflanze erläutern?

Albrecht von Hagen: Albrecht von Hagen, Endenicher Allee 12, 53115 Bonn – Tel. 0228 6297551 + albrecht@avh-langen.de . Ich war in mehr als fünf Berufen zum Teil leitend tätig. Ich habe seit Oktober 1999 Kontakt zum modernen MISCANTHUS-Papst Dr. Ralf Pude an der Uni Bonn. Wir haben gemeinsam in Polen auf dem ehemaligen Gut meines Großvaters im Spätherbst 1.000 Rhizome von MISCANTHUS – GIGANTEUS eingepflanzt. Die Wurzeln stammten aus dem Besitz der Uni Bonn.
Mit großem Erstaunen sahen wir der außerordentlich guten Entwicklung im ersten Jahr zu und hatten im zweiten Jahr, also Ende 2001 bereits einen Bestand mit einer Strohhöhe von mehr als 4,25 Metern. Ich entschloss mich zur sofortigen Vermehrung und konnte einen ganzen Hektar mit den geernteten Rhizomen bepflanzen. Abgesehen von einigen Pflanz- und Vorbereitungsfehlern (nicht tief genug eingesetzt und gefestigt, zu wenig Unkrautarbeit) habe ich heute – 12-2007 einen Gesamtbestand von 43 ha zusammen mit deutschen und polnischen Partnern in Polen und Deutschland. Alle Bestände haben sich wie oben dargestellt bewährt. Derzeit warten mehr als 3.000.000 Rhizome auf die weitere Vermehrung. Im Herbst 2008 werden das mehr als 12 .000.000 Rhizome sein.

MISCANTHUS Vorzüge
1. Während Raps und andere Ölpflanzen nur 0,125 Liter Diesel auf einen m² produzieren, schafft MISCANTHUS 0,6 Liter Diesel.
2. Während die Ölpflanzen (das sind gar keine nachwachsenden Rohstoffe) das Land auslaugen, sehr viel Düngung benötigen und deshalb nicht dauernd am gleichen Platz neu gepflanzt werden können, ist MISCANTHUS Standort stabil, verhält sich wie der Laubwald, wie Grass oder Schilf – durch den Abfall der Blätter düngt und wärmt sich die Pflanze selbst.
3. MISCANTHUS kann im Herbst und /oder im Frühjahr vermehrt oder geerntet werden.
4. Die notwendigen Maschinen können aus dem Maisbestand entnommen werden.
5. Die Arbeit mit MISCANTHUS stört den bisherigen landwirtschaftlichen Betrieb normalerweise nicht, weil davor oder danach geerntet/vermehrt werden kann.
6. Steht der Bestand, dann ist viel weniger Arbeit nötig und Düngemittel (keine).
7. Lagerung der Ernte auf dem Halm bis Mai
8. Bislang keine Schmarotzer

nachwachsende-rohstoffe.biz
: Sie schreiben auf Ihrer Webseite “Ohne uns wird es keinen Miscanthus-Markt geben“. Wie wollen Sie diesen Markt entwickeln?

Albrecht von Hagen: MISCANTHUS steht am Anfang, ca. 2.000 ha in Europa per 2007. Wenn aber 20 % Beimischung bis 2020 erreicht werden soll, dann müssen von den möglichen 1.250.000 km² in Europa für Technikpflanzen mindesten 80% mit optimaler Biomasse angebaut werden. Raps ist keine optimale Biomasse, wie oben aufgezeigt.

Politik und Verbandsführer müssen sich der eigenen Forderung (20% bis 2020) stellen. Nicht quatschen, sondern sofort handeln. Z.B. Freiflächen mit MISCANTHUS subventioniert bepflanzen lassen. Dem MISCANTHUS-Landwirt die ersten drei Jahre erleichtern und mit Weizenerträgen –netto – gleichstellen. Geben Sie Anreize für MISCANTHUSPLANTAGEN mit bis zu 800 ha regional/kommunal, damit direkt daneben eine mittelständische Kraftstoff-Produktionsanlage (z.B. MME-AG in Bünde) die trockenen Bio-Masse verarbeiten kann. Die Bio-Gas-Anlagen zeigen doch gerade jetzt, wie Ertrags empfindlich sie wegen des Einsatzes von Ölpflanzen als Input geworden sind. Mit MISCANTHUS wäre das kein Problem.
Die Landwirtschaft muss sich von den derzeitigen Lobby-Ideen und Subventionserwartungen freimachen. Sie muss sich auf MISCANTHUS und dergleichen umstellen. Die kommunalen und regionalen Finanzhilfen werden in den ersten 2 Anbaujahren intensiv benötigt, können danach aber weitestgehend abgebaut werden. Also die Subventionspraxis muss umgestellt und auf die dringend notwendige veränderte Struktur in der Landwirtschaft eingestellt werden.

a) Politik wird vernünftig, dann wird schon 2011 aus wenigen Produktionsmaschinen sich eine Produktlawine enormen Ausmaßes ergeben
b) Politik bleibt vorerst stur, dann werden nur wenige vorausschauend sich auf den Boom nach 2015 vorbereiten. Dann aber wird die Forderung – siehe oben – weit verfehlt werden.

Linktipp: www.miscanthus-legi.com


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Datum: Samstag, 1. Dezember 2007 17:08
Themengebiet: Nawaro-Firmen stellen sich vor Trackback: Trackback-URL
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