Miscanthus in Luxemburg - Interview mit FEINEN Luc
Klaus-Martin Meyer: Herr Feinen, (Miscanthus-Energie). Würden Sie sich und ihre Leute bitte kurz vorstellen?
FEINEN Luc: Wir, das heißt zwei Landwirte und ein Heizungsbauer, haben uns zusammengetan, um einen Weg zu finden, erneuerbare Energie anzupflanzen und im Eigenverbrauch zu verwenden. Nach langem Suchen sind wir auf die Miscanthus-Pflanze gestoßen, die uns vor allem sehr gut gefallen hat durch ihre Umweltbilanz und ihre Pflegeleichtigkeit ab dem zweiten Standjahr. Nach einer Enttäuschung seitens eines Rhizomzulieferers aus Deutschland, sind wir schlussendlich auf einen seriösen Händler und Anbauer getroffen, der uns, in Zusammenarbeit mit MBR Trier, mit Rat und Tat zur Seite stand. So haben wir uns entschlossen, uns für die Miscanthus-Anplanzung in Luxemburg stark zu machen.
Klaus-Martin Meyer: Können Sie die Anstrengunen auch in den Gesamtzusammenhang der luxemburgischen Miscanthus-Aktivitäten einordnen?
FEINEN Luc: Da noch keine grössere Miscanthus-Aktivität besteht , ausser +/- 4 ha von privaten Leuten, haben wir vor, den Miscanthus-Markt soweit es geht in Luxemburg aufzubauen. Wir bemühen uns mit verschiedenen Landwirten zusammen, Anbauflächen zu bekommen und die Verwertung und Nutzung in verschiedenen Bereichen voran zu treiben.
Klaus-Martin Meyer: Welches Potential in den Bereichen stoffliche und energethische Nutzung hat Miscanthus aus Ihrer Sicht?
FEINEN Luc: Im Herbst 2008 Werden wir in zusammenarbeit mit der Heizungsfirma „De FEINEN HEIZUNGSKNECHLER“ aus Luxemburg, und dem Kesselhersteller „LOPPER“ aus Deutschland (Bayern und Schweitz), die erste Miscanthus-Heizanlage aus Luxemburg in Betrieb nehmen, mit der wir acht Häuser heizen werden. Für uns als Landwirt ist es sehr wichtig, Einstreumaterial zu bekommen, da das Stroh immer seltener und teurer wird. Da die Isolation von Wohnhäusern endlich wichtiger eingestuft wird, glauben wir an eine interressante „Marktlücke“, die wir mit Miscanthus-Isolationsmaterial füllen könnten.
Weiteres Potential besteht sicherlich, jedoch müssen die Miscanthusanbauer sich aus unserer Sicht zusammensetzen, um so einen sicheren Nachschub von Rohmaterial zu gewährleisten. Ein Nachteil von Miscanthus war bisher der Transport, doch ich glaube, dieses Problem haben wir für unsere Belange mit der Entwickelung der „Mäh-Hächsel-Press Kombination“, die wir in Zusammenarbeit mit der Fa. Servatius-Ehlenz aus Rittersdorf entwickelt haben, gelöst.
Klaus-Martin Meyer: Sie betreiben die Domain www.miscanthus.lu und auf Ihrem Claas-Ernter prankt selbiger aufmerksamkeitswirksam. Wie wichtig ist Marketing, wenn man sich mit Miscanthus befaßt?
FEINEN Luc: Uns war wichtig unsere Hächsel-Press-Kombination vorzustellen und zu beweisen, dass sie funktionniert. Ich will an dieser Stelle all denjenigen danken, die an dieses Projekt geglaubt haben. Miscanthus sollte als Energiepflanze angesehen werden, und nicht als Pflanze, die der dritten Welt die Lebensmittel wegnimmt! Außerdem schluckt Miscanthus 30 to co2 pro Ha pro Jahr, und das sollte in der Öffentlichkeit diskutiert werden.
Der Bevölkerung muss erklärt werden, dass nicht die Miscanthusanbauer, sondern die Biogasanlagen Lebensmittel (Mais, Raps, Gras u.s.w.) vergasen, und auch noch von öffentlicher Hand unterstützt werden. Eines ist auf jeden Fall klar: wenn wir Miscanthus anbauen, nehmen wir keinem anderen Lebewesen die Nahrung weg, denn Miscanthus ist ungenießbar!! Bei Miscanthus handelt es sich nicht um ein Lebensmittel, sondern um einen guten CO2-Abbauer.
Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß unsere Standardfrage. Wie wird sich Miscanthus im Allgemeinen und sie sich im Besonderen in den kommenden fünf Jahren entwickeln?
FEINEN Luc: Ich denke, wenn „wir“ (als Miscanthusanbauer) es fertig bringen, die Bevölkerung und die Regierung davon zu überzeugen, dass es sich um eine sehr gute Alternative zu anderen Energiepflanzen handelt (input-output), dann könnte die Zukunft für Miscanthus nicht schlecht aussehen. Wir wollen nicht von einem Mega-Boom und von 500.000ha reden, wenn wir es jedoch fertig bringen würden, in Luxemburg und im Grenzbereich soviel anzupflanzen, dass eventuell eine Biodieselstation damit beliefert werden könnte, dann wäre ein großer Schritt in Sachen erneuerbare Energie getan.
Für uns hoffe ich, dass wir noch einige Landwirte oder Privatleute finden, die uns ihr Vertrauen schenken, und uns Anbaufläche zur Verfügung stellen oder Land vermieten, sodass wir unser Vorhaben weiter ausbauen können, und dass unsere Bemühungen und Investitionen (Setzmaschine planen und bauen /Hächsel-press-kombination) nicht umsonst gewesen sind.
Stichworte: Miscanthus-Energie