“Holz ist und bleibt der nachwachsende Rohstoff schlechthin.” - Im Gespräch mit Denis Peisker (BIOBETH)
Klaus-Martin Meyer: Herr Peisker, Sie sind Projektleiter der Bioenergieberatung Thüringen, kurz BIOBETH. Können Sie sich und BIOBETH kurz vorstellen?
Denis Peisker: Nach meinem Studium der Umweltverfahrenstechnik an der FH Jena habe ich fünf Jahre lang bei der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) gearbeitet. Schwerpunkt meiner Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter bildete die thermische Verwertung halmgutartiger Biomasse, wie z. B. Stroh. Während meiner Zeit bei der TLL entstand unter Federführung von Dr. Armin Vetter das Thüringer Bioenergieprogramm. In dem Programm wird das Biomassepotenzial des Freistaates beschrieben und daraus Ziele und Strategien abgeleitet. Ein Teil der Umsetzung ist die neutrale, vorwettbewerbliche Beratung durch BIOBETH mit den Hauptzielgruppen Kommunen sowie Land- und Forstwirtschaft. Seit 1. Juni 2008 habe ich das Vergnügen Leiter von BIOBETH zu sein.
Klaus-Martin Meyer: Die Biomasse ist der zentrale Inputfaktor bei der Gewinnung von Bioenergie. Welche nachwachsenden Rohstoffe haben aus Ihrer Sicht hierzulande das größte Potenzial bei der Gewinnung von Bioenergie eine wichtige Rolle zu spielen?
Denis Peisker: Holz ist und bleibt der nachwachsende Rohstoff schlechthin. Gerade im Kleinfeuerungsanlagenbereich bis zu einer Feuerungsanlagenleistung bis 1 MW sehe ich hier in den nächsten Jahren ein enormes Ausbaupotenzial. Um diesen Ausbau rohstoffseitig abzusichern muss vor allem im Privatwaldbereich die Nutzung ausgebaut werden. Im Bereich der Landwirtschaft werden mittelfristig Raps und Mais die dominierenden NAWAROS bleiben. Gerade im Biogasbereich kommt man am Mais als ertragsreichste Fruchtart nicht vorbei. Hier bietet der Energiepflanzenanbau allerdings auch Möglichkeiten zur Diversifizierung, wie neueste Erkenntnisse aus verschiedenen FNR-Projekten, u.a. „EVA“; zeigen. Darüber hinaus rücken gerade mit der Neufassung des EEG landwirtschaftliche Reststoffe wie Stroh und Gülle bzw. Festmist wieder verstärkt in den Focus. Auch das Thema Energieholz vom Acker wird in der Diskussion bleiben auch wenn ich die ambitionierten Ausbauszenarien wie sie gerade von der Pelletbranche propagiert werden, so nicht teile. Weitere große Potenziale sehe ich im Bereich Landschaftspflegematerial. Hier muss schnell eine Begriffsdefinition vom Gesetzgeber her. Auch der Bioabfallbereich wird vor dem Hintergrund des EEG 2009 verstärkt in den Biogasbereich investieren.
Klaus-Martin Meyer: Bei BIOBETH spielt der Vernetzungsgedanke entlang der Wertschöpfungskette eine wichtige Rolle. Können Sie uns konkrete Beispiele benennen, wo die Vernetzung besonders Nutzen stiftend funktioniert?
Denis Peisker: Meiner Meinung nach muss die energetische Nutzung von Biomasse immer mit einer Erhöhung der regionalen Wertschöpfung verbunden sein. Dies funktioniert nur dann, wenn Land- und Forstwirtschaft sich nicht zum Rohstofflieferanten degradieren lassen bzw. regionale Investoren beteiligt werden. Das können die Stadtwerke sein, die Kommunen selbst oder die Einwohner einer Gemeinde, Stichwort Genossenschaft. Solche Modelle bedingen dezentrale Lösungen wie sie z. B. unter dem Schlagwort Bioenergiedörfer aktuell stark diskutiert und umgesetzt werden.
Klaus-Martin Meyer: Zurzeit sind die Forderungen nach öffentlichen Konjunktur- und/oder Klimapaketen besonders laut. Wird aus Ihrer Sicht die Bioenergie hiervon eher profitieren können?
Denis Peisker: Meiner Meinung nach fehlt es weniger an investiven Fördermöglichkeiten als an neutraler, vorwettbewerblicher Beratung. Das ist der Grund warum wir BIOBETH in Thüringen ins Leben gerufen haben. Was das Konjunkturprogramm angeht: Ja, es könnte einen Investitionsschub im Energiebereich auslösen unter der Voraussetzung das die Kommunen möglichst freie Hand bekommen und die zu erbringenden Eigenanteile die teilweise sehr angespannten Kommunalhaushalte berücksichtigen. Das ist gerade auch in den neuen Bundesländern aktuell, da hier gerade im Bereich der Wärmeversorgung von öffentlichen aber auch privaten Gebäude der nächste Investitionszyklus ansteht.
Klaus-Martin Meyer: Zum Schluss interessiert uns ein Ausblick. Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Bioenergie in den kommenden fünf Jahren im Allgemeinen und in Thüringen im Besonderen entwickeln?
Denis Peisker: Der Ausbau der Nutzung wird weiter gehen, wenn auch nicht mit dieser fast schon unheimlichen Geschwindigkeit wie in den letzten Jahren. Gülle- und bioabfallbasierte Biogasanlagen mit Wärmekonzepten, Hackschnitzelanlagen im Bereich größer 100 kW thermischer Leistung sowie, vor allen in den kaufkraftstarken Altbundesländern, Pelletanlagen im Bereich der Privathaushalte dürften mittelfristig zu den Hauptschwerpunkten des Bioenergieausbaus zählen. Ein wichtiger Punkt wird sein, ob wir es schaffen die hohen Investitionen in Wärmenetze ökonomisch und ökologisch darzustellen, um gerade im Biogasbereich hohe Gesamtnutzungsgrade zu erreichen. Für eigenschaftsbedingt schwierigere Biomasse wie Stroh oder Landschaftspflegematerial, müssen gerade im Verbrennungsbereich Techniken bereitgestellt werden, die den hohen Immissionsanforderungen Deutschlands gerecht werden. Im Kraftstoffbereich kann eine verstärkte Nutzung von Rapsöl bzw. Biodiesel in der (noch) steuerbefreiten Landwirtschaft eine Möglichkeit sein, die rückläufigen Absatzzahlen zumindest abzumildern. Ich denke, dass Biokraftstoffe der 2. Generation mittelfristig keine Rolle spielen werden.
Neueste Erkenntnisse im Energiepflanzenbereich müssen konsequent umgesetzt werden, um der teilweise berechtigten Kritik aus Naturschutzkreisen entgegen zu wirken. Last not least zählt vor allen die Öffentlichkeitsarbeit. Die gesamte Bioenergiebranche muss sich noch mehr bewusst machen, dass eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung Grundvoraussetzung für den weiteren Ausbau bzw. flankierende Fördermaßnahmen darstellt.
Stichworte: Biobeth, Denis Peisker, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, TLL
