Vertikalbegrünung - Fassadenbegrünung

Geschrieben von: Michael Pankratius

Unter Vertikalbegrünung versteht man das Anlegen von geschlossenen Pflanzenflächen auf einem vertikalen Untergrund, wie z.B. Wände, Mauern und Fassaden.
Mit dem nachlassenden Trend zur Stadtflucht in den letzten Jahrzehnten entsteht das Bedürfnis, im Hinblick auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den Siedlungsräumen, Urbanität mit stadtökologischen Notwendigkeiten zu verbinden. Die vertikale Begrünung von innerstädtischen Flächen kann zur Erfüllung dieser Anforderungen beitragen. Bei geeigneter Standortwahl können Kletterpflanzen schon auf sehr begrenzter Fläche für viel Farbe und Struktur auf grauen Häuserwänden sorgen.

Vorteil und Funktion

Die Vorteile und Funktion der Vertikalbegrünung sind vielfältig: ästhetisches Gestaltungselement, Umsetzung funktionaler Ideen, architektonische Akzente, ein ökologischer Einfluss  sowie die Erfüllung behördlicher Auflagen.

Grünpflanzen beschatten die Fassade, verhindern extreme Materialspannungen und wirken kühlend auf Wohnungen. Die Pflanzen binden Staub, blühen und duften und bieten Lebensraum für Singvögel. Die Vertikalbegrünung bietet Ausgleich für Eingriffe in Natur und Landschaft, trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei, durch Sauerstoffabgabe, Abgas- und Staubbindung und bietet Gebäudekühlung durch Beschattung und Kühlung der Umgebungsluft durch die Wasserverdunstung (Evapotranspiration) der Pflanzen.

Methoden

Bei der traditionellen Methode der Fassadenbegrünung wird auf Kletterpflanzen zurückgegriffen, die mit Hilfe bestimmter Ranksysteme (Seilsysteme, Rankgitter, Spalier, Tragwerk, Dämmung, ggf. Hinterlüftung, und Wetterschutz) von selbst den vertikalen Wuchs suchen.
In neuerer Zeit erleben wir jedoch den Schritt zu innovativen Wandbegrünungsweisen, die nicht mehr an den Einsatz von Kletter- und Spalierpflanzen gebunden sind. Die so genannten “living walls”, vertikalen Gärten oder der wandsprießenden Fassadenbegrünung.
Mit der Entwicklung geeigneter Alternativen zu Pflanzungen im Erdreich oder in sehr voluminösen Gefäßen werden Außenwände zu Flächen, aus denen überall Pflanzen herauswachsen können. Während Fassadenbegrünungen mit Kletterpflanzen zusätzlich vor einer vollständig ausgebildeten Außenwand angebracht werden müssen, lassen sich flächige vertikale Vegetationssysteme als Vorgehängt Hinterlüftete Fassade (VHF) ausführen. Substrathaltige Kassetten, Platten oder Vliese bilden die durchwurzelte Außenschicht und ersetzen eine Bekleidung.
Einige Garten-Landschaftsbetriebe bieten im Gewächshaus vorkultivierte Fassadenkonstruktion an, dessen Module nur noch an die Wand montiert werden müssen. Zentrale Pump- und Dosiereinheiten versorgen jedes Modul über ein Leitungssystem mit Wasser und den erforderlichen Nährstoffen.

Pflanzenphysiologische Hintergründe

Aktuell gibt es kaum verallgemeinerbare pflanzenphysiologische und bodenkundliche Grundlagenuntersuchungen über Wuchsverhalten, Assimilations- und Transpirationsleistung, Oberflächenvergrößerungen etc., in Abhängigkeit von unterschiedlichen Licht-, Wind-, Bodenfeuchte- und Bodengüteeigenschaften, in verschiedenen charakteristischen Kombinationen dieser Kriterien und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Klettereinrichtungen. Hier kann man nur auf die allgemeinen gärtnerischen Erfahrungen zurückzugreifen.


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Datum: Samstag, 19. Juni 2010 10:52
Themengebiet: Glossar Trackback: Trackback-URL
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