Rohrglanzgras – Phalaris arundinacea L. – reed canary grass – Havelmielitz

Geschrieben von: Michael Pankratius

Taxonomie, Biologie

Phalaris arundinacea L. (Rohrglanzgras) ist ein ausdauerndes Gras aus der Gattung Phalaris (Glanzgräser) der Familie Poaceae (Süßgräser). Es bildet kriechende unterirdische Ausläufer mit kräftiger Bewurzelung.
Mit einer Höhe bis zu 2 Metern zählt Phalaris arundinacea L. zu den stattlichsten Gräsern Europas.
Aus der Grundachse entsprießen aufrechte und sterile Halme, die im unteren Teil oftmals verzweigt sind. Von Juni bis Juli blühen die Halme und bilden Rispen mit einblütigen Ährchen aus. Die Blüten des Rohrglanzgrases sind 10 bis 20 cm lange allseitswendige echte Rispen. Sie haben meist eine hellgrüne oder lila Färbung.
Phalaris arundinacea L. hat mächtige Blätter mit breiten Spreiten, ein großes Blatthäutchen und in dessen Nähe einen weißen Hautrand.
Nach dem Schnitt bilden sich die Halme ohne Blütenstände neu.
Die Pflanze ist von sich aus steril. Zur Befruchtung braucht man mindestens zwei Pflanzen mit verschiedenen Samen.

Standortansprüche und Vorkommen

Rohrglanzgras bevorzugt feuchte sauerstoffreiche Standorte, verträgt jedoch keine stehenden Gewässer. Es wächst meist an Flussufern, Gräben, Seen, Tümpeln, feuchten Wiesen und Auenböden. Dort bildet es hohe dichte Bestände, die in ihrem Aussehen dem des Schilfs ähneln. Kräftige Standorte und nährstoffreiche Ton- und Schlammböden sind der Präferenzbereich der Pflanze. Es ist ein lichtliebendes, jedoch auch Halbschatten vertragendes Gras
Rohrglanzgras ist in den gemäßigten Breiten Europas, Asiens und Nordamerikas beheimatet, wächst aber kaum in Höhen über 1.500 Metern NN.

Anbau und Ertrag

Wie bei den meisten Futtergräsern erfolgt die Saatbettbereitung und Aussaat im Frühjahr bis Spätsommer. Damit eine ausreichende Vorwinterentwicklung stattfinden kann, sollte der Aussaattermin den August nicht überschreiten. Die Aussaatmenge beträgt 25 kg/ha. Je nach Bodenbeschaffenheit kann das Walzen der Saat nützlich sein. Als Düngeempfehlung gilt 100 kg Stickstoff, 80 kg Kalium und 30 kg Phosphor pro Jahr und Hektar.
Ein Rohrglanzgrasbestand wird bis zu 10 Jahre genutzt, wobei die Trockenmasseerträge zwischen 10 und 15 t TM/ha schwanken.
Aufgrund der Mehrjährigkeit und der langjährigen Bodenruhe, trägt Phalaris arundinacea L. zum Erosionsschutz bei. Die Kultur benötigt kaum Pflanzenschutz und bietet damit Vorteile die ökologische Bilanz betreffend. Jedoch hat Rohrglanzgras einen höheren Wasser- und Nährstoffverbrauch als andere C4- Gräser.
Durch die unterirdischen Ausläufer müssen für die Folgefrucht spezielle Maßnahmen zur Beseitigung der Rhizome ergriffen werden. Als Folgefrucht eignen sich daher besonders Gras oder Kleegras.

Nutzung und energierelevante Merkmale

In erster Linie gilt Phalaris arundinacea L. als Futterpflanze.
Da Rohrglanzgras DMT-haltig ist und eine schädlichen Wirkung auf grasende Nutztiere hat, wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte die DMT-haltigen Rohrglanzgräser durch DMT-arme Kultursorten ersetzt.

Neben dem Nutzen als Futtergras gilt Rohrglanzgras auch als Energiepflanze und wird als nachwachsender Rohstoff angebaut.
Die Biomasse kann in Briketts und Pellets umgewandelt werden, wie es derzeit in Britannien gehandhabt wird. Weder erhöht die Verbrennung die Treibhausgasemissionen, noch treibt sie die globale Erwärmung an. Als erneuerbare Energiequelle setzt Rohrglanzgras nur die Menge an CO2 frei, die es auch gebunden hat und sorgt damit für eine neutrale CO2 Bilanz.
Rohrglanzgras liefert einen sauberen Brennstoff, ohne Schadstoffe aus dem Boden aufzunehmen. Ein weiterer Vorteil ist, dass es auf brachen, kontaminierten Industrieflächen gedeiht und damit keine Nahrungsmittelkonkurrenz darstellt. Zudem verbessert Rohrglanzgras die Bodenqualität und biologische Vielfalt der Flächen.
Phalaris arundinacea L. produziert zwar relativ hohe Biomasseerträge, hat aber auch einen dreimal so hohen spezifischen Wasserverbrauch wie andere relevante Energiepflanzen z.B. Mais.

Die Eigenschaft der Biomasse von Rohrglanzgras wird stark durch den Erntezeitpunkt beeinflusst. Im Frühjahr hat die Pflanze einen weitaus niedrigeren Wassergehalt (15 %) als im August (65 %), jedoch auch 15 bis 26 % weniger Trockenmasse. Auch der Gehalt an mineralischen Inhaltstoffen (N, K, Cl) reduziert sich im Frühjahr.
Der Aschegehalt wird stark durch den Standort beeinflusst. Beim Anbau auf schweren, tonigen Böden mit hohem Siliziumanteil werden hohe Aschegehalte von 10 % nachgewiesen.

Für die Gasausbeute wird Rohrglanzgras nach Gröblinghoff et al. (2007) ein Methanertrag von rund 2900 m³/ha zugewiesen. Das entspricht bei einem Trockenmasseertrag von 14 t/ha einem Methangehalt von 52,3 %.

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Quellenverzeichnis:

Dörter, K.: Süßgräser, Riedgras- und Binsengewächse. 2. Aufl. 1977 Urania-Verlag Leipzig . Jena . Berlin

Gröblinghoff et al. (2007): Biogaserzeugung mit kurzlebigen und ausdauernden Gräsern, Workshop I Energie 2007

Hartmann, Rössl, Forster (2010): Züchtungsforschung bei Futterpflanzen und Leguminosen, Rohrglanzgras, LfL Pflanzenbau

Kaltschmitt et al. (2009): Energie aus Biomasse, Springer

Mueller, L., Behrend, A., Schalitz, G et. al (2005): Effizienz der Wassernutzung durch Pflanzenbestände unter grundwassernahen Bedingungen im Norddeutschen Tiefland, 11. Gumpensteiner Lysimetertagung 2005

Geschrieben von Michael Pankratius


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Datum: Dienstag, 6. April 2010 15:20
Themengebiet: Glossar | Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. 1

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wir setzen Phalaris als ingenieurbiologische Alternative zu Phragmites australis in Retentionsbodenfiltern ein. In diesem Zusammenhang interessiert mich die vom Autoren Michael Pankratius zitierte Literatur von Mueller et al. (2005) “Wasserverbrauch Phalaris” von der Gumpensteiner Lysimetertagung.
    Falls vorhanden, wäre ich für die Zusendung einer pdf-Version dieser Literaturstelle dankbar.

    Frohe Weihnachten & ein glückliches 2011
    Dr. Jens-Uwe Holthuis

  2. 2

    Sehr geehrter Dr. Holthuis
    Die angegebene Quelle finden sie hier:
    https://www.raumberg-gumpenstein.com/c/index.php?option=com_docman&task=doc_view&gid=775&Itemid=100103

    Schöne Festtage wünscht Ihnen
    Michael Pankratius

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