Naturkosmetik - Biokosmetik - Phytokosmetik

Geschrieben von: Michael Pankratius

Als Naturkosmetik oder Biokosmetik oder auch Phytokosmetik bezeichnet man Kosmetikprodukte, die der Pflege des menschlichen Körpers dienen und dabei auf Wirkstoffe aus umweltfreundlichen und natürlichen Rohstoffen setzen. Die Mittel unterstützen und regen natürliche Hautfunktionen an, wobei sie auf synthetische Farbstoffe, Duftstoffe, Konservierungsmittel sowie problematische Emulgatoren, Silikonen, künstliche Lichtschutzfilter, Tenside, Paraffine und andere Erdöl basierte Stoffe sowie auf tierische Stoffe, die nur leidvoll gewonnen werden können, verzichten.

Neben der Auswahl der eingesetzten pflanzlichen Rohstoffe spielt die ökologische Komponente des umwelt- und ressourcenschonenden Herstellungsverfahrens eine wichtige Rolle. Die optimale Abbaubarkeit von Rohstoffen sowie der sparsame Einsatz recycelbarer Verpackungsmaterialien sind weitere Grundpfeiler natürlicher Kosmetika. Auch der Verzicht auf Tierversuche ist heutzutage Konsens bei den Herstellern.

Generell gelten Naturkosmetikprodukte als aufwendiger in der Herstellung und unterscheiden sich somit auch qualitativ von konventioneller Kosmetik.

Problem der Definition und Rechtslage

Bisher gibt es keine rechtskräftige Definition des Begriffes Naturkosmetik oder Biokosmetik, so dass der Name gesetzlich nicht geschützt ist. Dies hat zur Folge, dass Unternehmen allein durch die Zufügung vernachlässigbar geringfügiger Mengen an natürlichen Rohstoffen ihr Produkt als Naturprodukt anpreisen dürfen.

Die regulativen Rahmenbedingungen des Kosmetikmarktes sind nicht sonderlich restriktiv. Für Kosmetika ist keine Zulassung erforderlich, notwendig ist aber eine Anzeige der Rezepturen beim Bundesinstitut für Risikobewertung. Weiterhin gibt es eine einheitliche europäische Regelung bezüglich der Zusammensetzung von Kosmetika (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients).

Daher verpflichten sich viele Hersteller durch Zertifizierung und kontrollierte Siegel der Privatwirtschaft sowie durch Auflistung der Inhaltsstoffe und deren Konzentration auf den Verpackungen zu mehr Transparenz gegenüber dem Kunden.

Das Gütesiegel BDIH “Kontrollierte Natur-Kosmetik” gilt mit 2.000 Produkten von 50 Unternehmen als eines der bekanntesten Prüfzeichen auf diesem Gebiet. Unter Berücksichtigung von Qualität und Verfügbarkeit verpflichten sich die Hersteller unter anderem zu einem Mindestgehalt von 60 % natürlichen Rohstoffen.
Europas größter Kontroll- und Zertifizierungsverband im Umweltbereich ist das Bio-Kontrollunternehmens Ecocert aus Frankreich. Es führt die zwei Kosmetiklabel “Ökologische und biologische Kosmetik” sowie “biologische Kosmetik”, wobei bei dem ersteren Gütesiegel ein Bestand von 95 % dem zweiten von 50 % natürlichen Rohstoffen abverlangt wird.

Im Jahr 2000 wagte der Europarat den Versuch einer Definition. Die Grundlage hierfür bildete die pflanzliche, tierische oder mineralische Rohstoffherkunft, die Vermeidung gesundheitsgefährdender Verunreinigungen und die Beschränkung der Verarbeitung auf physikalische, mikrobiologische und enzymatische Methoden.

Inhalt- und Wirkstoffe

Neben Heil- und Arzneipflanzen werden zahlreiche Hilfsstoffe auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen im Kosmetikmarkt eingesetzt:
Pflanzliche Öle, Fette und Wachse
Blütenwasser
Kräuterextrakte
ätherische Öle und Aromen aus kontrolliert biologischem Anbau.

Die kosmetische Industrie setzt eine Vielzahl von Pflanzenarten ein, die in Deutschland anbaubar sind. Die wichtigsten Pflanzen sind Kamille, Ringelblume, Pfefferminze, Zitronenmelisse, Johanniskraut, Arnika, Sanddorn, Weißdorn und Spitzwegerich.
Nur 7% der Arzneipflanzen finden bislang in der kosmetischen Industrie Verwendung.

Zur Ölgewinnung dient vorwiegend importierter Soja, Erdnuss und Raps. Vitamin E und Phytosterole werden als Kuppelprodukte von Ölen und Fetten verwendet.
Um die zwei Hauptbestandteile Öl und Wasser in Cremes und Lotionen miteinander zu vermischen, verwendet man bei Naturkosmetika PEG freie Emulgatoren auf pflanzlicher Basis, die das Eindringen von Schadstoffen in die Haut nicht fördern - im Gegensatz zu Emulgatoren bei konventionellen Kosmetikprodukten. Allerdings wird dadurch ebenso das Eindringen der Wirkstoffe nicht gefördert.
Neben pflanzlichen Stoffen kann auch das Fett von Schafwolle (Lanolin) als wirksamer Emulgator eingesetzt werden

Als Rohstoffquelle für ätherische Öle bieten sich zahlreiche Pflanzen an. Vorwiegend kommen Rose, Jasmin, Melisse, Angelika, Rosenholz, Weihrauch, Zedernholz zum Einsatz. Die synthetische Herstellung von Essenzen ist ebenfalls möglich. Ätherische Öle geben der Biokosmetik einen natürlichen reinen Duft und dienen als Konservierungsmittel. Positiver Nebeneffekt der natürlichen Konservierungsmethode ist die Vorbeugung allergischer Reaktionen oder Hautreizungen.

Waschaktive Tenside sind für die Entfernung von Schmutz in Verbindung mit Fetten verantwortlich. Durch ihre Aggressivität reizen sie jedoch die Haut und können sie austrocknen. Die Naturkosmetik verzichtet auf waschaktive Tenside oder ersetzt sie durch pflanzliche Tenside, die meist aus Zucker oder Kokos gewonnen werden und eine wesentlich schonender und mildere Wirkung aufweisen. Allerdings führt dies zu einer geringeren Waschkraft. Durch die in den Richtlinien erlaubten Zutaten können die Ansprüche an ein wirksames Shampoo oft nicht aufrecht erhalten werden, so dass die Hersteller hier einen Kompromiss eingehen müssen und dafür auf eine Zertifizierung verzichten.
Auch bei dekorativer Kosmetik haben natürliche Stoffe ihre Grenzen. Ähnlich wie bei Färberpflanzen und Naturfarbstoffen sind kräftige Töne kaum erreichbar. Somit beschränkt sich das Sortiment auf gedeckte, dezentere Farben.

Markt

Die europäische Kosmetikindustrie ist weltweit führend. Sie erreicht einen Umsatz von rund 55 Milliarden Euro und ist damit doppelt so groß wie die japanische und um ein Drittel größer als die US-amerikanische. Auch wenn nur rund 5 % des Gesamtkosmetikumsatz auf den Naturkosmetiksektor fallen, so hat der Naturkosmetikmarkt heute (2010) ein geschätztes Marktvolumen von 2 Milliarden Euro in Europa. Nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) in Nürnberg stiegen von Ende 2006 bis Ende 2008 in Deutschland die Zahl der Naturkosmetikkunden um rund 28 % und bestätigen damit einen aufsteigenden Trend.

Die Vermarktung von natürlichen Kosmetikprodukten gewinnt in der heutigen Kosmetikbranche immer mehr an Bedeutung und erreicht immer mehr Anwender. Treibende Kräfte sind der natürliche Trend zu Bioprodukten, höhere Kundenzahl durch das wachsende Segment Männer, sowie der demografische Effekt, dass die Anzahl älterer Kunden steigt und im Bereich anti-aging eine höhere Nachfrage entsteht.

Die wichtigsten Segmente des Marktes sind Haarpflegemittel (ein Viertel des Gesamtmarktes) und Hautpflegemittel (ein Fünftel des Gesamtmarktes). Die Produktentwicklung in der kosmetischen Industrie zeichnen sich durch kurze Entwicklungszeiten und geringe Kosten aus. Jedoch haben die Produkte oft einen kurzen Produktlebenszyklus.


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Datum: Samstag, 22. Mai 2010 14:49
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Ein Kommentar

  1. 1

    Eine gute Nachricht ist auf jeden Fall,dass der Konsum von Naturprodukten immer mehr weltweit steigert, immer mehr Menschen interessieren sich für Produkte von guter Qualität.

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