Nachwachsende Rohstoffe
Einleitung
Rohstoffe gelten als Grundlage des Wohlstandes eines industriellen Staates. Durch die weltweit steigende Industrialisierung rückt der Rohstoffverbrauch immer mehr in den Vordergrund.
Um die Lebensqualität zu sichern und zu steigern, ist eine konstante Rohstoffversorgung notwendig. Sie bildet die materielle Grundlage des Zusammenlebens und der Entwicklung einer Gesellschaft.
Daher ist die Beschäftigung mit diesem Thema von außerordentlicher Wichtigkeit.
Bisher beschränkte sich der Verbrauch größtenteils auf fossile Rohstoffe, wie Erdöl oder Erdgas. Fossile Rohstoffe entstanden in der erdgeschichtlichen Entwicklung aus Pflanzen und sind nicht kurzfristig erneuerbar. Dadurch entwickelte sich das Problem der Rohstoffversorgungssicherheit.
Im Zuge der Ressourcenschonung und des Klimaschutzes setzte die vermehrte Nutzung und Förderung von nachwachsenden Rohstoffen wieder ein und rückt bis zum heutigen Tag immer mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Versuch der Definition
Der Begriff der nachwachsenden Rohstoffe ist bis heute nicht eindeutig definiert. Oftmals wird dieser Begriff mit dem Wort Biomasse gleichgesetzt, jedoch schließt Biomasse auch das organische Material eines unbelebten Organismus mit ein, wie z.B. Abfallprodukte aus der Tierwelt.
Vom Centralen Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk e.V. werden nachwachsende Rohstoffe wie folgt definiert:
„Nachwachsende Rohstoffe (im allgemeinen Sprachgebrauch auch Biomasse) sind organische Stoffe pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, die ganz oder in Teilen als Rohstoffe für die Industrie oder als Energieträger genutzt werden. Im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen erneuern sie sich jährlich oder in überschaubaren Zeiträumen.“(C.A.R.M.E.N. e.V. 2004)
Waskow definiert nachwachsende Rohstoffe z.B. auf diese Weise:
„Unter dem Begriff Nachwachsende Rohstoffe werden im Folgenden sämtliche pflanzlichen und tierischen Rohstoffe verstanden, die biologisch erneuerbar sind, und die nicht für Ernährungs- und Fütterungszwecke genutzt werden. Es handelt sich also um einen Sammelbegriff, der nicht-mineralische oder nicht-fossile Rohstoffe beinhaltet, die zur Energieerzeugung herangezogen werden oder eine Verwendung im industriellen oder gewerblichen Verarbeitungsprozess erfahren können.“(Waskow 1998)
Am nächsten kommt uns der Begriff, wie wir ihn auf dieser Seite verwenden und verstehen, wie Langert ihn definiert:
„Unter nachwachsenden Rohstoffen werden solche Stoffe verstanden, die aus pflanzlicher Materie stammen, biologisch erneuerbar sind und vom Menschen zielgerichtet für Zwecke außerhalb des Nahrungs- und Futterbereiches verwendet werden.“ (Langer 2007)
Geschichtlicher Überblick
Ein Blick auf die Geschichte der Industrialisierung zeigt, dass zu ihrem Beginn Energie hauptsächlich aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wurde, insbesondere aus Holz. Durch Überrodung der Wälder zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die vermehrte Nutzung von Kohle, und später von Erdöl und Erdgas. Bis heute hat die Nutzung fossiler Rohstoffe nichts von ihrer Dominanz verloren.
1970 besann man sich aufgrund stark ansteigender Erdölpreise wieder auf nachwachsende Rohstoffe. Dies hielt jedoch nur so lange an, bis sich die Ölpreise normalisierten.
Mit einer Überschussproduktion an Nahrungsmittel um 1980, begann die Diskussion um nachwachsende Rohstoffe von vorne. Die Entwicklung und steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen und Bioethanol bestärkte einen Trend, der bis heute anhält.
Die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen fällt vollständig in den land-, und forstwirtschaftlichen Sektor.
Aufgrund der preiswerteren fossilen Rohstoffe, haben sich nachwachsende Rohstoffe bis heute noch nicht durchgesetzt, jedoch einen festen Nischenplatz eingenommen. Als ständige Kritik steht dem Anbau gegenüber, dass die Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht und somit den Lebensmittelpreis beeinflusst. Besonders kritisch wird daher der die Produktion in Entwicklungsländern gesehen, in denen die Nahrungsmittelversorgung ohnehin knapp ist.
Als positive Auswirkungen wird angeführt, dass man durch die vermehrte Produktion nachwachsender Rohstoffe Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten erlangt. Zudem trägt die Verwendung nachwachsender Rohstoffe zum Umweltschutz bei. Ein Argument, dem nur bedingt zu zustimmen ist. Zu oft werden in der Praxis wertvolle Lebensräume zerstört um Platz für den Anbau zu schaffen.
Tabelle 1: Übersicht über Vor- und Nachteile der Produktion nachwachsender Rohstoffe
| Vorteile der Produktion nachwachsender Rohstoffe | Kritik an Produktion nachwachsender Rohstoffen Produktion |
|
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In Anlehnung an Langer (2007)
Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen
Energiegewinnung
Energetisch werden NR in verschiedenen Aggregatzuständen, fest, flüssig oder gasförmig, zur Erzeugung von Strom und Wärme sowie zum Antrieb von Motoren und damit zur Fortbewegung von Maschinen genutzt. (Kaltschmitt 2003)
Die Energieerzeugung erfolgt dabei durch Verbrennung oder Vergasung, wobei thermochemische, physikalisch-chemische oder biochemische Umwandlungen erfolgen. (Corbach 2005)
Stoffliche Verwendung
Nachwachsende Rohstoffe können auch stofflich oder chemisch-technisch nutzbar gemacht werden. Sie dienen als chemische Grund- oder Zwischenprodukte, die bisher rein chemisch hergestellt wurden. In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff Industriepflanze verwendet.
Bei stofflicher Nutzung soll folgende Aufzählung eine Übersicht geben, wie nachwachsende Rohstoffe bereits verwendet werden.
• Schmier- und Verfahrensstoffe
• Wasch- und Reinigungsmittel
• Biologisch abbaubare Werkstoffe und naturfaserverstärkte Kunstoffe
• Baumaterialien, einschließlich Dämmstoffe
• Arzneimittel
• Farben und Lacke
• Papier und Pappe
• Textilien
Die dabei aus den verwendeten Pflanzen hauptsächlich gewonnenen Rohstoffe, die zu den entsprechenden Produktgruppen weiterverarbeitet werden, sind Stärke, Zucker, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Leinöl, Pflanzenfasern und bestimmte Heilstoffe (FNR 2004).
Tabelle 2: Übersicht über Herkunft nachwachsender Rohstoffe und Endprodukte in stofflicher Verwendung
| Pflanzen | Rohstoffe | Produkt |
| Bäume, Sträucher, Bambus, Holzgewächse | Holz, Zellulosefasern | Bauholz, Möbel, SpielwarenPapier, Pappe, Verpackungen, Zellstoff |
| Hanf | Fasern, Hanföl | Zellstoff, Papier, Textilien, Dämmstoffe, GarnKosmetikprodukte |
| Abaca, Flachs, Kapok, Kenaf, Sisal |
Fasern | Papier, Textilien, Dämmstoffe, Garn, Formpressteile |
| Öllein | Leinöl | Farben, Lacke, Linoleum |
| Crambe, Leindotter, Raps, Rübsen, Senf, Sonnenblume, Wolfsmilch | Pflanzenöl | Kosmetikprodukte, Schmierstoffe, Hydrauliköle, sowie diverse andere Öle, Lösungsmittel, Waschmittel |
| Waid, Saflor, Krapp, Wau, Färberpflanzen, Kanadische Goldrute | Farbstoffe | Farben, Lacke |
| Arznei-, Heil-, und Gewürzpflanzen | Extrakte | Pharmaka, ätherische Öle, kosmetische Produkte |
| Mais, Weizen, Markerbsen | Stärke | Papier, Pappe, Verpackungen, Textilien |
| Kartoffeln | Stärke | Folien, Waschmittel |
| Zuckerrübe, Topinambur, Zichorie, Zuckerhirse | Stärke | Folien, Waschmittel, Papier, Pppe, Arzneien |
In Anlehnung an Langer (2007)
Tabelle 3: Übersicht über Herkunft nachwachsender Rohstoffe und Endprodukte in energetischer Verwendung
| Pflanze | Rohstoffe | Produkt |
| Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide, Topinambur | Zucker, Stärke | Bioethanol, Kraftstoffe |
| Raps, Palmen, Soja, Jatropha | Rapsöl, Palmöl, diverse Öle | Biodiesel, Naturdiesel, Biokraftstoffe |
| Gräser, Getreidepflanzen, Miscanthus, Holzgewächse, Stroh | Stückholz, Hakschnitzel, Pellets, Ganzpflanze | Wärme, Dampf, Strom |
In Anlehnung an Langer (2007)
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Quellenangabe:
C.A.R.M.E.N. e.V. (2004): Hintergrund Nachwachsende Rohstoffe, Centrales Agrar-, Rohstoff-, Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk e.V., Online im Internet: URL: www.carmen-ev.de/dt/hintergrund/nawaros.html#1, vom 29.09.2004
Corbach, Matthias (2005): Biomasse, in: Reiche, Danyel (HG): Grundlagen der Energiepolitik, Frankfurt/M., Peter Lang GmbH
FNR - Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (HG) (2004): Die Verarbeitung, Online im Internet: URL: http://www.fnr.de, vom 23.04.2004
Kaltschmitt, Martin (2003): Biomassenutzung in Deutschland – Stand und Perspektiven, in: Böhmer, Till (HG): Erneuerbare Energien – Perspektiven für die Stromerzeugung, Frankfurt/M., VWEW Energieverlag
Langer, Marko (2007): Der Anbau nachwachsender Rohstoffe in Sachsen- Anhalt und Thüringen, VDM Verlag Dr. Müller
Waskow, Frank (1998): Status und Entwicklung nachwachsender Rohstoffe, in:
Katalyse, Institut für angewandte Umweltforschung (HG): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe: Anbau – Verarbeitung - Produkte, Heidelberg, C.F. Müller-Verlag
Geschrieben von Michael Pankratius
Stichworte: Definition, nachwachsende Rohstoffe, Nawaro

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[…] ihren Familien auf und bietet eine steckbriefliche Übersicht. Auch einige Gemüsesorten, die als nachwachsende Rohstoffe von Bedeutung sind haben Eingang in das Werk gefunden: Zuckermais, Knöterichgewächse, […]
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[…] Wissens und bestens zur Recherche eignet. Aufgrund der Nähe zu relevanten Kulturen aus dem Bereich nachwachsende Rohstoffe, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Es ist jeden Cent wert. Heyland, Hanus, Keller – […]
Mittwoch, 24. März 2010 16:24
[…] Allergien, gesundheitsgefährdende Substanzen in Anstrichfarben, sowie eine allgemeine Trend zu nachwachsenden Rohstoffen. Die Nachfrage nach Naturfarbstoffen für die Färbung von Textilien, Naturfaser, Leder, Papier […]
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