Nachwachsende Rohstoffe

Geschrieben von: Michael Pankratius

Einleitung

Rohstoffe gelten als Grundlage des Wohlstandes eines industriellen Staates. Durch die weltweit steigende Industrialisierung rückt der Rohstoffverbrauch immer mehr in den Vordergrund.
Um die Lebensqualität zu sichern und zu steigern, ist eine konstante Rohstoffversorgung notwendig. Sie bildet die materielle Grundlage des Zusammenlebens und der Entwicklung einer Gesellschaft.
Daher ist die Beschäftigung mit diesem Thema von außerordentlicher Wichtigkeit.
Bisher beschränkte sich der Verbrauch größtenteils auf fossile Rohstoffe, wie Erdöl oder Erdgas. Fossile Rohstoffe entstanden in der erdgeschichtlichen Entwicklung aus Pflanzen und sind nicht kurzfristig erneuerbar. Dadurch entwickelte sich das Problem der Rohstoffversorgungssicherheit.
Im Zuge der Ressourcenschonung und des Klimaschutzes setzte die vermehrte Nutzung und Förderung von nachwachsenden Rohstoffen wieder ein und rückt bis zum heutigen Tag immer mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Versuch der Definition

Der Begriff der nachwachsenden Rohstoffe ist bis heute nicht eindeutig definiert. Oftmals wird dieser Begriff mit dem Wort Biomasse gleichgesetzt, jedoch schließt Biomasse auch das organische Material eines unbelebten Organismus mit ein, wie z.B. Abfallprodukte aus der Tierwelt.

Vom Centralen Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk e.V. werden nachwachsende Rohstoffe wie folgt definiert:
„Nachwachsende Rohstoffe (im allgemeinen Sprachgebrauch auch Biomasse) sind organische Stoffe pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, die ganz oder in Teilen als Rohstoffe für die Industrie oder als Energieträger genutzt werden. Im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen erneuern sie sich jährlich oder in überschaubaren Zeiträumen.“(C.A.R.M.E.N. e.V. 2004)

Waskow definiert nachwachsende Rohstoffe z.B. auf diese Weise:
„Unter dem Begriff Nachwachsende Rohstoffe werden im Folgenden sämtliche pflanzlichen und tierischen Rohstoffe verstanden, die  biologisch erneuerbar sind, und die nicht für Ernährungs- und Fütterungszwecke genutzt  werden. Es handelt sich also um einen Sammelbegriff, der nicht-mineralische oder nicht-fossile Rohstoffe beinhaltet, die zur Energieerzeugung herangezogen werden oder eine Verwendung im industriellen oder gewerblichen Verarbeitungsprozess erfahren können.“(Waskow 1998)

Am nächsten kommt uns der Begriff, wie wir ihn auf dieser Seite verwenden und verstehen, wie Langert ihn definiert:
Unter nachwachsenden Rohstoffen werden solche Stoffe verstanden, die aus pflanzlicher Materie stammen, biologisch erneuerbar sind und vom Menschen zielgerichtet für Zwecke außerhalb des Nahrungs- und Futterbereiches verwendet werden.“ (Langer 2007)

Geschichtlicher Überblick

Ein Blick auf die Geschichte der Industrialisierung zeigt, dass zu ihrem Beginn Energie hauptsächlich aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wurde, insbesondere aus Holz. Durch Überrodung der Wälder zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die vermehrte Nutzung von Kohle, und später von Erdöl und Erdgas. Bis heute hat die Nutzung fossiler Rohstoffe nichts von ihrer Dominanz verloren.
1970 besann man sich aufgrund stark ansteigender Erdölpreise wieder auf nachwachsende Rohstoffe. Dies hielt jedoch nur so lange an, bis sich die Ölpreise normalisierten.
Mit einer Überschussproduktion an Nahrungsmittel um 1980, begann die Diskussion um nachwachsende Rohstoffe von vorne. Die Entwicklung und steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen und Bioethanol bestärkte einen Trend, der bis heute anhält.
Die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen fällt vollständig in den land-, und forstwirtschaftlichen Sektor.
Aufgrund der preiswerteren fossilen Rohstoffe, haben sich nachwachsende Rohstoffe bis heute noch nicht durchgesetzt, jedoch einen festen Nischenplatz eingenommen. Als ständige Kritik steht dem Anbau gegenüber, dass die Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht und somit den Lebensmittelpreis beeinflusst. Besonders kritisch wird daher der die Produktion in Entwicklungsländern gesehen, in denen die Nahrungsmittelversorgung ohnehin knapp ist.
Als positive Auswirkungen wird angeführt, dass man durch die vermehrte Produktion nachwachsender Rohstoffe Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten erlangt. Zudem trägt die Verwendung nachwachsender Rohstoffe zum Umweltschutz bei. Ein Argument, dem nur bedingt zu zustimmen ist. Zu oft werden in der Praxis wertvolle Lebensräume zerstört um Platz für den Anbau zu schaffen.

Tabelle 1: Übersicht über Vor- und Nachteile der Produktion nachwachsender Rohstoffe

Vorteile der Produktion nachwachsender Rohstoffe Kritik an Produktion nachwachsender Rohstoffen Produktion
  • Ressourcenschonung, Schonung fossiler Rohstoffe
  • Minimierung des CO2 Ausstoßes
  • Attraktive Landschaftsgestaltung und Kultivierung  stillgelegter Flächen
  • Schaffung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft
  • Begünstigt Schaffung regionaler Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfung im ländlichen Raum
  • Chancen für innovative Entwicklungen
  • Flächennutzungskonkurrenz mit Nahrungsmittelanbau
  • Anbau könnte zusätzlich Umwelt schädigen (Pestizide)
  • Subventionsbedarf, da nicht konkurrenzfähig mit fossilen Rohstoffen
  • Potential zur Beseitigung ökologischer Probleme und Ressourcenknappheit zu gering
  • Konservierung ineffizienter Produktions- und Beschäftigungsstrukturen im ländlichen Raum
  • Es sollten eher andere erneuerbare Energien genutzt werden, um Flächen für Naturschutzzwecke zu gebrauchen

In Anlehnung an Langer (2007)

Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen

Energiegewinnung

Energetisch werden NR in verschiedenen Aggregatzuständen, fest, flüssig oder gasförmig, zur Erzeugung von Strom und Wärme sowie zum Antrieb von Motoren und damit zur Fortbewegung von Maschinen genutzt. (Kaltschmitt 2003)
Die Energieerzeugung erfolgt dabei durch Verbrennung oder Vergasung, wobei thermochemische, physikalisch-chemische oder biochemische Umwandlungen erfolgen. (Corbach 2005)

Stoffliche Verwendung
Nachwachsende Rohstoffe können auch stofflich oder chemisch-technisch nutzbar gemacht werden. Sie dienen als chemische Grund- oder Zwischenprodukte, die bisher rein chemisch hergestellt wurden. In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff Industriepflanze verwendet.
Bei stofflicher Nutzung soll folgende Aufzählung eine Übersicht geben, wie nachwachsende Rohstoffe bereits verwendet werden.

•    Schmier- und Verfahrensstoffe
•    Wasch- und Reinigungsmittel
•    Biologisch abbaubare Werkstoffe und naturfaserverstärkte Kunstoffe
•    Baumaterialien, einschließlich Dämmstoffe
•    Arzneimittel
•    Farben und Lacke
•    Papier und Pappe
•    Textilien

Die dabei aus den verwendeten Pflanzen hauptsächlich gewonnenen Rohstoffe,  die zu den entsprechenden Produktgruppen weiterverarbeitet werden, sind Stärke, Zucker, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Leinöl, Pflanzenfasern und bestimmte Heilstoffe (FNR 2004).

Tabelle 2: Übersicht über Herkunft nachwachsender Rohstoffe und Endprodukte in stofflicher Verwendung

Pflanzen Rohstoffe Produkt
Bäume, Sträucher, Bambus, Holzgewächse Holz, Zellulosefasern Bauholz, Möbel, SpielwarenPapier, Pappe, Verpackungen, Zellstoff
Hanf Fasern, Hanföl Zellstoff, Papier, Textilien, Dämmstoffe, GarnKosmetikprodukte
Abaca, Flachs, Kapok, Kenaf, Sisal
Fasern Papier, Textilien, Dämmstoffe, Garn, Formpressteile
Öllein Leinöl Farben, Lacke, Linoleum
Crambe, Leindotter, Raps, Rübsen, Senf, Sonnenblume, Wolfsmilch Pflanzenöl Kosmetikprodukte, Schmierstoffe, Hydrauliköle, sowie diverse andere Öle, Lösungsmittel, Waschmittel
Waid, Saflor, Krapp, Wau, Färberpflanzen, Kanadische Goldrute Farbstoffe Farben, Lacke
Arznei-, Heil-, und Gewürzpflanzen Extrakte Pharmaka, ätherische Öle, kosmetische Produkte
Mais, Weizen, Markerbsen Stärke Papier, Pappe, Verpackungen, Textilien
Kartoffeln Stärke Folien, Waschmittel
Zuckerrübe, Topinambur, Zichorie, Zuckerhirse Stärke Folien, Waschmittel, Papier, Pppe, Arzneien

In Anlehnung an Langer (2007)

Tabelle 3: Übersicht über Herkunft nachwachsender Rohstoffe und Endprodukte in energetischer Verwendung

Pflanze Rohstoffe Produkt
Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide, Topinambur Zucker, Stärke Bioethanol, Kraftstoffe
Raps, Palmen, Soja, Jatropha Rapsöl, Palmöl, diverse Öle Biodiesel, Naturdiesel, Biokraftstoffe
Gräser, Getreidepflanzen, Miscanthus, Holzgewächse, Stroh Stückholz, Hakschnitzel, Pellets, Ganzpflanze Wärme, Dampf, Strom

In Anlehnung an Langer (2007)

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Quellenangabe:

C.A.R.M.E.N. e.V. (2004): Hintergrund Nachwachsende Rohstoffe, Centrales Agrar-, Rohstoff-, Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk e.V., Online im  Internet: URL: www.carmen-ev.de/dt/hintergrund/nawaros.html#1, vom 29.09.2004

Corbach, Matthias (2005): Biomasse, in: Reiche, Danyel (HG): Grundlagen der Energiepolitik, Frankfurt/M., Peter Lang GmbH

FNR - Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (HG) (2004): Die Verarbeitung, Online im Internet: URL: http://www.fnr.de, vom 23.04.2004

Kaltschmitt, Martin (2003): Biomassenutzung in Deutschland – Stand und Perspektiven, in: Böhmer, Till (HG): Erneuerbare Energien – Perspektiven für die Stromerzeugung, Frankfurt/M., VWEW Energieverlag

Langer, Marko (2007): Der Anbau nachwachsender Rohstoffe in Sachsen- Anhalt und Thüringen, VDM Verlag Dr. Müller

Waskow, Frank (1998): Status und Entwicklung nachwachsender Rohstoffe, in:
Katalyse, Institut für angewandte Umweltforschung (HG): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe: Anbau – Verarbeitung - Produkte, Heidelberg, C.F. Müller-Verlag

Geschrieben von Michael Pankratius


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Datum: Freitag, 12. Februar 2010 16:55
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14 Kommentare

  1. 1

    […] Pflanzenmaterial zu dieser Gruppe. Sowohl das lebende, das oftmals als Energiepflanze oder nachwachsender Rohstoff angebaut wird, als auch das tote pflanzliche Material - Rückstände aus der Land- und […]

  2. 2

    […] Überblick der Ökobaubranche zeigt: Nachwachsende Rohstoffe sind in der Baustoffbranche den Hightech-Fasern ebenbürtig. Als Schimmelschutz und Wärmeschild […]

  3. 3

    […] Kapitel, eine allgemeine Einleitung und das zweite Kapitel in dem auf die Kulturen, die man zu nachwachsenden Rohstoffen zählt und deren Nutzen eingegangen wird, eignen sich jedoch nach wie vor für Einsteiger. Leider […]

  4. 4

    […] setzt auf nachwachsende Rohstoffe und will Vorreiter beim Einsatz von Bioenergie werden. Dazu plant der Konzern Vattenfall die […]

  5. 5

    […] Sonneblume, die primär als Nahrungsmittel angebaut wird, jedoch in neuerer Zeit immer mehr als nachwachsender Rohstoff in den Vordergrund […]

  6. 6

    […] Der „Nawaro-Bonus“ wird ausgeschüttet, wenn hauptsächlich nachwachsende Rohstoffe oder Gülle in Mischung mit anderen pflanzlichen Nebenprodukten zur Gewinnung von Strom genutzt […]

  7. 7

    […] Onyx, Beere und Taupe erhältlich. Das Produkt besteht aus Bio- Verbundstoffen, die zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden und ist rückstandfrei biologisch abbaubar. Selbst die Farbstoffe wurden auf rein […]

  8. 8

    […] ihren Familien auf und bietet eine steckbriefliche Übersicht. Auch einige Gemüsesorten, die als nachwachsende Rohstoffe von Bedeutung sind haben Eingang in das Werk gefunden: Zuckermais, Knöterichgewächse, […]

  9. 9

    […] Wissens und bestens zur Recherche eignet. Aufgrund der Nähe zu relevanten Kulturen aus dem Bereich nachwachsende Rohstoffe, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Es ist jeden Cent wert. Heyland, Hanus, Keller – […]

  10. 10

    […] Allergien, gesundheitsgefährdende Substanzen in Anstrichfarben, sowie eine allgemeine Trend zu nachwachsenden Rohstoffen. Die Nachfrage nach Naturfarbstoffen für die Färbung von Textilien, Naturfaser, Leder, Papier […]

  11. 11

    […] verwirklichen. Die Bauteile sehen aus wie Plastik, wurden aber aus einem Hightech- Werkstoff aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut: flexibles Holz. Mit normalem Holz wären die feinen Strukturen, die so ein Stecksystem benötigen […]

  12. 12

    […] Zusätzlich vermehren sich die Algen dort rasch, so dass die Substanz damit einen preisgünstigen nachwachsenden Rohstoff bildet. Da es sich bei dem Algenextrakt um natürliche Ballaststoffe handelt, schließen die […]

  13. 13

    […] Coca-Cola führte 2009 in den USA und Dänemark die PlantBottle ein, eine PET-Flasche aus 30 % nachwachsenden Rohstoffen. Das zu PepsiCo gehörende US-amerikanische Unternehmen Frito-Lay wird eine kompostierbare […]

  14. 14

    […] 1992 wurde die Fachhochschule wiedergegründet und ist bundesweit für ihre Studiengänge für nachwachsenden Rohstoffen und Bioenergie, bekannt. Zur Zeit studieren rund 1800 Studenten in […]

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