Kenaf

Geschrieben von: Michael Pankratius

Botanik und Biologie

Die Faserpflanze Hibiscus cannabinus L (`Kenaf´) gehört zur Familie Malvaceae (`Malvengewächse´) und ist eine tropische bzw. subtropische Pflanze. Ihren Ursprung hat die Pflanze in Afrika, vermutlich im Sudan. Heute wird sie vorwiegend in den USA, Indien, China und Südostasien kultiviert. 1993 wurde Kenaf zum ersten Mal nördlich der Alpen angebaut und ist seitdem auch in Mitteleuropa zu finden. 1995 kam Kenaf nach Deutschland und wurde in einem Pilotprojekt auf 150 ha in Baden Württemberg angebaut.
Kenaf ist nicht frosthart und daher in Europa eine einjährige Pflanze. Bei ausbleibendem Frost kann die Pflanze auch mehrjährig sein.
Kenaf hat einen sehr hohen Wärmebedarf. Zum Wachstum benötig er mindestens 16° C, zur Keimung 12° C. Sein Präferenzbereich liegt bei 25° C.

Aufgrund der Ähnlichkeit seiner Blattform mit der des Hanfes leitet sich der Artenname cannabinus ab. Die Blätter sind je nach Sorte handförmig gelappt bis ganzrandig. Sie besitzen einen langen Stiel und weiche Haare.
Die Pflanze erlangt bei engem Stand eine Höhe von drei bis vier Metern. Die rauhaarigen und stachelborstigen Stängel sind je nach Sorte grün oder rötlich bis violett.
Die großen weißen oder gelblichen Blüten haben einen dunkelroten Fleck am Grund und öffnen sich vor Sonnenaufgang. Bis zum Mittag des selben Tages sind sie bereits verblüht.
Kenaf ist eine selbst befruchtende Pflanze. Die grau-schwarzen Samen enthalten bis zu 20 Prozent eines halbtrockenen Öls, das als Nahrungsmittel, aber auch für technische Zwecke eingesetzt werden kann.

Anbau und Standortbedingungen

Kenaf kann auf allen Böden ohne Staunässe angebaut werden, bevorzugt werden leichte bis mittelschwere Böden. Aufgrund seiner Temperaturansprüche sind wärmere Lagen unter 500 m ü. M. für den Anbau geeignet. Empfindlich reagiert Kenaf auf Sommertrockenheit. Optimal ist ein gemäßigt- heiß- feuchtes Klima. Während der der Vegetationszeit sollten zwischen 500 und 700 mm Niederschlag fallen.
Der optimale pH-Wert liegt zwischen 5 und 7. Für die Faserbildung ist eine ausreichende Phosphor- und Kaliumversorgung nötig (Empfehlung: Phosphat 60 kg/Hektar, Kalium 120 kg/Hektar, Stickstoff erste Gabe 20 bis 30 kg/Hektar, zweite Gabe 50 bis 60 kg/Hektar).
Die Vegetationsperiode beträgt 70 bis 140 Tage.
Kenaf ist nicht selbstverträglich, daher sollte eine Anbaupause von 3 Jahren eingehalten werden.
Die günstigste Saatzeit in unseren Klimaten ist Mitte bis Ende Mai. Es wird empfohlen 45 bis 50 Pflanzen pro m² zu pflanzen.
Kenaf benötigt aufgrund seiner langsamen Jugendentwicklung eine intensive Unkrautbekämpfung.
Während des Wachstums bindet eine Tonne Kenaf etwa 1,5 Tonnen CO2 und weist damit eine der höchsten CO2-Absorptionsraten innerhalb der Pflanzenwelt auf.
Die Ernte findet von Dezember bis Februar nach Absterben der Pflanzen statt und wird maschinell durchgeführt. Spätestens nach 12 Stunden muss das Erntegut getrocknet werden.

Faser und Nutzung

Der Fasergehalt der Rinde ist in dem Blüten tragenden Teil geringer als im unteren. Er beträgt zwischen 2,5 und 5 Prozent. Kenaffasern sind zwischen 1,5 mm und 10 mm lang und werden aus der Rinde des Stängels (Bast) gewonnen. Ein Vorteil gegenüber anderen Faserpflanzen besteht in der mechanischen Aufschließbarkeit der Fasern. Einen weiteren Vorteil bietet Kenaf in Zusammenhang mit dem Röstprozess. Die abgelöste Faser kann zunächst getrocknet werden, um später zu einem beliebigen Zeitpunkt geröstet zu werden. Besonders in trockenen Anbaugebieten erweist sich dies als entscheidender Vorteil.

Ziel des Kenaf- Anbaus ist es, möglichst hohe Stängel zu ernten. Der Erwartungswert liegt bei 5 bis 10 Tonnen Trockenmasse pro Hektar, wovon etwa 28 Prozent dem Gesamtfasergehalt entsprechen (Langfasern 18 Prozent / Kurzfasern 10 Prozent).
Die Kenaffaser besteht zu 50 Prozent aus Cellulose, 22 Prozent aus Pentosane, 17 Prozent aus Lignin und zu 3 Prozent aus Asche. Dadurch, dass die Kenaffaser aus durchschnittlich weniger Lignin als vergleichbare Faserpflanzen besteht, ist sie weniger lichtempfindlich.
Die Fasern finden ihre Verwendung in der Papierindustrie, werden zur Herstellung biologisch abbaubarer Mulchfolie für den Gartenbau benutzt, sowie zur Herstellung von Seilen und Sacktuch. Zusätzlich können Kenaffasern als Verstärkungsfaser für naturfaserverstärkte Kunststoffe eingesetzt werden.

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Quellenangabe:

E. Meister, V. Mediavilla, R. Vetter, M. Konermann: Prüfung des Anbaus und der Möglichkeiten einer Markteinführung von neuen Faserpflanzen (Hanf, Kenaf, Miscanthus), Abschlussbericht Juni 1999. Grenzüberschreitendes Institut zur rentablen umweltgerechten Landbewirtschaftung ITADA, in Zusammenarbeit mit FAL Braunschweig und iful Müllheim/Baden

http://www.umweltlexikon-online.de/fp/archiv/RUBlandwirtsrohstoffe/Kenaf.php aufgerufen am 16.2.2010

Mann, S. 1998: Nachwachsende Rohstoffe, Ulmer

Geschrieben von Michael Pankratius


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Datum: Mittwoch, 17. Februar 2010 11:38
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