Kautschuk - Hevea Brasiliensis - Parakautschukbaum

Geschrieben von: Michael Pankratius

Kautschuk - Einleitung

Wenn man von Kautschuk spricht, unterscheidet man Naturkautschuk und synthetischen Kautschuk.
Synthetischer Kautschuk wird petrochemisch hergestellt und deckt rund 60 % des Weltbedarfes.
Naturkautschuk ist ein nachwachsender Rohstoff, der größtenteils aus Polyisopren besteht und aus dem weißen Milchsaft (Latex) bestimmter tropischer Pflanzen gewonnen wird. Hevea Brasiliensis (`Parakautschukbaum´) stellt mit 90 % der weltweiten Produktion die größte Latexquelle.

Hevea Brasiliensis (`Parakautschukbaum´)


Botanik

Hevea Brasiliensis ist eine von 9 Arten der Gattung Hevea aus der Familie der Euphorbiaceae (`Wolfsmilchgewächse´). Er ist ein schnell wachsender Baum, der eine Höhe zwischen 25 und 40 Metern und einen Stammdurchmesser von rund 50 cm erreicht. Die Borke (tertiäres Abschlussgewebe- äußerste Schicht) ist grau bis grün-braun, während das Kern- und Splintholz gelblich ist und einen strengen Geruch absondert.
Hevea Brasiliensis bildet jedes Jahr neue Blätter. Die gestielten Laubblätter sind dreiteilig. Die Blättchen sind dunkel bis hellgrün, mit einer markanten Nervatur, rund 7 bis 20 cm lang und durchschnittlich 3 bis 8 cm breit.
Der Kautschukbaum ist monözisch (getrenntgeschlechtig) und bildet hellgraue Samen mit dunklen Streifen oder Flecken, die einen hohen Ölgehalt aufweisen und gekocht essbar sind oder zu Brennstoffgewinnung verwendet werden können.


Geschichte

Der Kautschukbaum stammt ursprünglich aus dem Amazonasgebiet Südamerikas. Eine der ersten Überlieferungen stammt von Columbus, der auf seinen Entdeckungsreisen Indianerkinder mit seltsamen Bällen spielen sah. Den Rohstoff für diese Bälle gewannen die Indianer aus dem Milchsaft eines Baumes, den sie Ca-Hu-Chu, „den weinenden Baum“ nannten. Der Name hält sich bis heute. Der Begriff Latex stammt aus dem spanischen Wort leche (Milch).
Zwischen 1735 und 1745 brachte der Äquatorvermesser Charles Marie de la Condamin Kautschuk nach Europa, wo viele Forscher sich um den Stoff bemühten.
1770 erfand Joseph Priestly den Radiergummi. 1839 entdeckte Charles Goodyear die Vulkanisation das Naturkautschuks mit Schwefel und damit einen neuen Stoff: Gummi.
Fortan erlangte Kautschuk weltwirtschaftliche Bedeutung.
Auch wenn zunächst Brasilien das Monopol auf Kautschukanbau hatte, so wird Naturkautschuk heutzutage im gesamten Kautschukgürtel (zwischen 30° nördlicher und 30° südlicher Breite) in Plantagenwirtschaft angebaut.
Thailand, Indonesien und Malaysia sind mit über 90 % die derzeit größten Anbauländer. Der Versuch Plantagen in den südamerikanischen Staaten zu etablieren schlug aufgrund des Viruses Microcyclus ulei fehl, der die südamerikanischen Blattkrankheit (South American Leaf Blight: SALB) verursacht.


Anbau und Standortbedingungen

Hevea Brasiliensis
wird zwischen 15° nördlicher und 15° südlicher Breite kultiviert. Der Anbau erfolgt auf Plantagen mit einer Pflanzdichte von 500 bis 1000 Bäumen pro Hektar. Die optimale Temperatur liegt bei 26 bis 28 °C. Hevea Brasiliensis benötigt eine Niederschlagsmenge von 2000 bis 4000 mm gleichmäßig übers Jahr verteilt. Die Vermehrung erfolgt durch Okulation, Ableger, Stecklinge oder Samen. Geeignete Mischkulturen sind Kaffee, Kakao, Faserbananen, Ananas und Tee.
Eine Vielzahl von Krankheiten und Schädlingen gefährden den Baum, so dass jährlich ein potentieller Ertragsverlust von 25 Prozent besteht.
Die Düngeempfehlung liegt nach Franke (1994) pro Hektar bei 60 kg Stickstoff, 20 kg Phosphor und 60 Kg Kalium. Bei einem Trockenmasseertrag von 2000 kg rechnet man mit einem Nährstoffentzug von 12,6 kg Stickstoff, 2,6 kg Phosphor und 8,6 kg Kalium.

Nach 5 bis 8 Jahren erreicht der Baum seine Maturitätsphase, d.h. sein Stammdurchmesser entspricht 45 bis 50 cm in einem Meter Höhe. Ab diesem Zeitpunkt erhält er seine Zapfreife und dient zur Milchsaftgewinnung. Das Ertragsmaximum hat er zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr. Mit einem Alter von rund 25 Jahren stellt der Kautschukbaum die Latexproduktion ein und wird gefällt. Das Holz wird durch die Möbelindustrie weiter verwertet und ist ein wichtiges Exportprodukt in Südost Asien.


Latex – Gewinnung und Verarbeitung

Im weichen Bast des Stammes befinden sich Milchröhren (Milchsaftgefäße), durch die der Milchsaft fließt. Latex besteht zu 55-70 Prozent aus Wasser und 30-40 % aus Kautschuk. Die restlichen Stoffe sind Zucker, Eiweiße, Harze und Wachse die jeweils nur 0,5 – 2 Prozent  ausmachen.
Normalerweise sind die Milchröhren entgegen des Uhrzeigersinns in einem Winkel von 3,5° zur vertikalen Richtung angeordnet. Daher erfolgt der Zapfschnitt von links oben nach rechts unten in einem Winkel von 30° zur horizontalen Richtung, so dass der Milchsaft austreten kann.
Der Schnitt erfolgt nur über die Hälft des Baumumfanges, damit ein Lebendstreifen die Wasser- und Nährstoffversorgung sichert. Über eine vertikale Tropfrinne fließt der Milchsaft in ein Auffanggefäß am Baum. Der Latexausfluss verringert sich stetig und stoppt nach 1 bis 3 Stunden. Jeden zweiten Tage wiederholt man diesen Schnitt, bis die eine Seite des Baumes vollständig beerntet worden ist. Dann wechselt man auf die andere Seite. Die höchste Latexmenge erreicht man zwischen 20 und 7 Uhr.
Der durchschnittliche Latexertrag pro Baum und Tag beträgt etwa 20 bis 30 g oder 1000 kg Kautschuktrockenmasse pro Hektar. Es sind aber auch Spitzenerträge von 3500 kg möglich.

Nun wird der kautschukhaltige Milchsaft entweder weiterverarbeitet oder durch Ammoniakzugabe in flüssiger Form konserviert.
Bei der Weiterverarbeitung filtriert man den Milchsaft und erreicht durch Zugabe von Essigsäure, Ameisensäure oder durch Elektrophorese, dass das im Latex eingelagerte Eiweiß denaturiert und der Milchsaft koaguliert (gerinnt). Der geronnene Kautschuk wird gewaschen und gewalzt und danach entweder zum Trocknen an die Luft gehängt oder 1 bis 2 Tage geräuchert. Die luftgetrockneten Platten bezeichnet man als Pale crepe (air-dried-sheets; ADS) die geräucherten als Ribbed Smoked Sheets (RSS).

Rund 70 Prozent des Naturkautschuks gehen an die Automobilindustrie zur Produktion von Autoreifen. Bindemittel sind ein weiteres wichtiges Produktfeld.
Weitere Produkte sind:  Dichtungsringe, Schwämme, Matratzen, Porengummi, Kühlschläuche, Scheibenwischer, Dachisolierung, Latexkleidung, Handschuhe, Kondome und Luftballons.

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Quellenverzeichnis:

Franke, G. (1994): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Band I, S. Hirzel Verlag Leipzig

Killmann, W. and L. T. Hong (2000): Rubberwood - the success of an agricultural by-product, FAO, Unasylva, No. 201

Rehm, S.: Handbuch der Landwirtschaft und Ernährung in den Entwicklungsländern, Band 4, Spezieller Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen

Transport-Informations-Service (TIS): Naturkautschuk - Fachinformationen der deutschen Transportversicherer,
http://www.tis-gdv.de/tis/ware/kautschuk/naturkautschuk/naturkautschuk.htm, abgerufen am 28 Februar 2010

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Geschrieben von Michael Pankratius


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Datum: Montag, 1. März 2010 13:06
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Ein Kommentar

  1. Prof. Wachendorf
    Freitag, 2. Juli 2010 16:15
    1

    Vielen Dank, dass ich Sie zitieren durfte. Der Beitrag war eine nützliche Quelle für meine Studenten.

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