Jatropha

Geschrieben von: Michael Pankratius

Die Gattung Jatropha gehört zur Familie Euphorbiaceae (`Wolfsmilchgewächs´) und umfasst rund 170 Arten, die hauptsächlich in tropischen und subtropischen Klimazonen verbreitet sind. Ihre Arten sind immergrüne oder Laub abwerfende Bäume und Sträucher oder krautige Pflanzen. Bei rund der Hälfte der Pflanzen handelt es sich um Sukkulente (Pflanzen mit besonders flüssigkeitsreichem Gewebe), bei der anderen Hälfte handelt es sich zumindest um Xenophyten (Pflanzen, die sich durch Wassersparsamkeit an extrem heiße Standorte angepasst haben).

Die meisten Jatropha- Arten sind monözische Pflanzen, d.h. sie besitzen weibliche und männliche Blüten auf einer Pflanze. Nach der Bestäubung entwickeln sich dreilappige Kapselfrüchte, deren ölhaltige Samen eine Caruncula tragen - ein fettreiches Anhängsel, das zumeist bei Pflanzen gefunden wird, deren Samen durch Vögel und Ameisen verbreitet werden.

Verwendung findet Jatropha überwiegend durch die Ölgewinnung. Die wichtigste Art ist hierbei Jatropha Curcas (`Purgiernuss´).

Purgiernuss - Jatropha Curcas

Jatropha Curcas stammt aus dem tropischen Südamerika und fand seine Verbreitung in Asien und Afrika durch portugiesische Seefahrer. Er wächst mittlerweile in sämtlichen tropischen Regionen.

Biologie

Die Purgiernuss ist ein sukkulenter Strauch oder Busch, mit efeuähnlichen Blättern, der eine Höhe bis zu acht Metern erreicht. Bei gezieltem Anbau sollte die Höhe auf zwei Meter gehalten werden, um die Verästelung und damit den Ertrag zu fördern.
Die Pflanze enthält einen milchigen, leicht rosa gefärbten Saft. Die gelblichen Kron- und Kelchblätter sind rund 15 cm lang.
Die weibliche Blüte bildet aus drei Fruchtblättern schwarze Kapseln (Nüsse), in denen jeweils ein bis zwei Samen enthalten sind, deren Ölanteil bei rund 40 % liegt. Diese zeichnen sich durch eine hohe Lagerfähigkeit von rund einem Jahr aus.
Aufgrund eines hohen Gehaltes an Curcin und Phorbel- Ester wirken die Samen toxisch und können zu Hautreizungen führen.

Standortansprüche und Kultivierung

Durch seine Anpassung an trockene Standorte und ihre toxischen Inhaltstoffe, die vor Abfraß schützen (Ausnahme: Frühstadium), ist Jatropha Curcas eine ideale und wenig gefährdete Pflanze auf tropischen Standorten.
Er stellt geringe Ansprüche an den Standort und wächst auch auf kargen und steinigen Böden, so dass er sogar als Dünenbefestigung eingesetzt werden kann.
Längeren Trockenperioden von bis zu 6 Monaten kann er standhalten. Dennoch sollte der Niederschlag nicht weniger als 600 mm pro Jahr betragen, wobei dies stark von der Umgebung abhängt. Hohe Luftfeuchtigkeit kann diesen Wert senken. Bei ausreichender Wasserversorgung bringt die Pflanze jedoch bessere und höhere Erträge.
Jatropha Curcas wächst schlecht auf lehmhaltigen Böden und ist empfindlich gegenüber Frost, Staunässe und Wind.
Er bevorzugt einen neutralen pH-Wert von 6-8.
Der Nährstoffgehalt des Bodens wirkt sich direkt auf den Blütezyklus aus, der von normalerweise vier Ernten pro Jahr auf sechs gesteigert werden kann.
Die Vermehrung erfolgt an trockenen Standorten über Saatgut und in niederschlagsreicheren Gegenden durch Stecklingsvermehrung. Bei Stecklingsvermehrung wächst die Pflanze schneller und trägt früher Früchte. Die Direktsaat ist jedoch die günstigere Methode und trägt zu einem stärker ausgeprägten Wurzelwachstum von einer Pfahl- und vier Seitenwurzeln bei. Bei der Direktsaat sollte man die Pflanze nicht vor dem 4. Monat auspflanzen.

Die Nussproduktion beginnt im vierten Jahr nach der Anpflanzung und erreicht ihren Höhepunkt im 10. Ertragsjahr. Der Ertrag liegt bei durchschnittlich 2,5 Tonnen pro Hektar. Da es sich bei Jatropha jedoch um eine Wildpflanze handelt, kann der Ertrag stark schwanken.

Nutzung

Da Jatropha Curcas aufgrund ihrer Giftstoffe nicht als Nahrungsmittel in Frage kommt, konzentriert man sich auf die Rohöl- Gewinnung.
Entweder ersetzt es als kalt gepresstes Öl das fossile Öl in tropischen Ländern, oder es wird zu Biodiesel und anderen Biokraftstoffen verarbeitet und exportiert (vorwiegend in europäische Länder). Auch eignet es sich hervorragend als Brennstoff, Lampenöl oder als Ausgangsmittel der Seifenproduktion.
Der Brennwert einer Jatropha- Nuss liegt bei 23,11 MJ/kg, der von Jatropha- Kernen bei 24, 91 MJ/kg. Im Vergleich zu Diesel, das einen Brennwert zwischen 42,6 und 45 MJ/kg hat, liegt der Brennwert von Jatropha- Öl zwischen 39,6 und 41, 8 MJ/kg.

Der Umstand, dass man sich bei dieser Pflanze nicht gegen Nahrung und für Kraftstoff entscheiden muss („food or fuel“), macht sie interessant. Auch Ihr Einsatz auf landwirtschaftlich degradierten Flächen (Ödland, Brache) enthebt sie des Rufes, Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu sein.
Diese Fakten sorgen momentan für einen regelrechten Boom in der Jatropha-  und Agrodiesel- Produktion.
Gegen Jatropha als Energiepflanze spricht ihr geringer Treibstoffertrag (2 Tonnen Dieselöl pro Hektar und Jahr). Zudem sind die Anbauflächen, die genutzt werden sollen (degradierte Flächen) so gering, dass sich die Frage stellt, ob der Preis durch fehlende Massenproduktion nicht zu hoch wird.
Allerdings sind in Versuchplantagen weit höhere Erträge erzielt worden und auch mittels züchterischer Maßnahmen sollte der Ertrag gesteigert werden können.
Zudem sorgt der Jatropha- Anbau für die Verbesserung der Standortqualitäten durch den gemeinsamen Anbau von Nutzpflanzen, sowie dem Beitrag zum Erosionsschutz.

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Quellenangabe:

Eckner, B. (2004): Nutzung von Jatropha zur Treibstoff-Gewinnung, Programa terra Viva

Prajapati, N.D., Prajapati, T. (2005): A handbook of Jatropha curcas Linn (physic nut), Asian Medicinal Plants and Health Care Trust

Steger, A., van Loon, J. (1942): Das fette Öl der Samen von Jatropha curcas, Fette und Seifen

Wiesenhütter, J. (2003): Nutzung von Purgiernuss (Jatropha curcas L.) zur Desertifikationsbekämpfung und Armutsminderung,  GTZ - CCD Projekt


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Datum: Montag, 15. Februar 2010 19:50
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