Cistus incanus

Geschrieben von: KM

Die Graubehaarte Zistrose oder Griechische Bergrose, wie das stark duftende Strauchgewächs im Volksmund auch heißt, ist eine geduckt wachsende Blütenpflanze, die die sonnigen Hänge und magnesiumreichen Böden Südeuropas liebt. Dort gehört der robuste Erstbesiedler mit den feuerfesten Wurzeln zu den charakteristischen Zeigerpflanzen der niederen Buschwälder, die im Frühsommer mit leuchtenden rosa Blüten und einem aromatisch-harzigen Duft die heißeste Zeit des Jahres ankündigen. Die Stammpflanze Cistus incanus blüht je nach Standort in verschiedenen Variationen, in der Volks- und Naturheilkunde wurde und wird überwiegend die Unterart Cistus incanus tauricus verwendet. Alle Ökotypen der Griechischen Bergrose produzieren ein Polyphenol-haltiges Harz, der stark aromatische Geruch, der im natürlich Umfeld Insekten anlocken soll, ist auf diesen Stoffwechselprozess zurück zu führen.

Das Harz hat die Pflanze bereits im 4. Jahrhundert v.Chr. zur begehrten Handelsware gemacht. Alten Quellen zufolge war Cistus incanus allen Völkern rund um das östliche Mittelmeer als Teeaufguss und in Arzneizubereitungen bekannt. Die alten Völker beschrieben die Wirkung des Cistus Tees als wohltuend und schätzten die starken Aromen des Harzes bei Räucherzeremonien. Im Christentum kennt man Cistus-Harz bis heute als Bestandteil des Weihrauchs. Mindestens in Ägypten wussten die Menschen auch schon um die antibiotischen Effekte konzentrierter Cistrose-Zubereitungen, entsprechende Rezepturen wurden bei Pilzinfektionen und bei eitrigen Entzündungen und Geschwüren eingesetzt. Im ausgehenden Mittelalter geriet der Topseller aus dem Mittelmeerraum langsam in Vergessenheit, erst die moderne Wissenschaft, die sich im Rahmen naturheilkundlicher Forschungsprojekte wieder verstärkt um traditionelle Heilverfahren bemühte, verhalf dem altgedienten Zistrosengewächs zu neuem Ansehen.
Die bereits erwähnten Polyphenole gaben den Ausschlag dafür, dass die Graubehaarte Zistrose 1999 sogar zur Pflanze des Jahres gewählt wurde, denn die stark adstringierenden Kohlenwasserstoffe erwiesen sich im Labor als potente Bakterien- und Virenvernichter. So geriet die Pflanze selbst wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit und hat heute erneut einen festen Platz in der Reihe der wohltuenden Genusstees. Hobbygärtner können die winterharte Pflanze, die trockene Temperaturen bis –10°C mühelos übersteht, in sonnigen Lagen selbst anbauen. Blätter, Blüten und Zweige lassen sich ab dem späten Frühjahr ernten und frisch oder getrocknet in fünf Minuten auskochen. Der Sud wird je nach Bedarf getrunken oder in Form von Körperwaschungen oder Umschlägen angewandt. Als Fertigzubereitung ist Cistus incanus unter anderem in Kapseln, Salben und Sprays enthalten.


Stichworte:

Datum: Donnerstag, 30. Dezember 2010 9:11
Themengebiet: Glossar Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben