“Hempstone besteht ausschließlich aus getrockneter, zuvor nass vermahlener Hanfzellulose” - Im Gespräch mit Norbert Schmid (Firma Drum*Param)

Geschrieben von: KM

Klaus-Martin Meyer: Herr Schmid, Sie sind der Inhaber der Firma Drum*Param. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Norbert Schmid: Im Jahr 1992 habe ich meinen zwar hoch dotierten aber letztlich wenig befriedigenden Job als Produktmanager der medizinischen Herzschrittmacher-technik an den Nagel gehängt und mich ganz meinen Interessen, nämlich dem Trommeln, dem Instrumentenbau, dem Unterricht in einer Privatschule und der Bildhauerei gewidmet. Ich studierte in zahlreichen Reisen die westafrikanische Musikkultur, insbesondere die der Volksgruppen Susu und Mandinka, wo man tatsächlich den Ursprung unserer modernen Pop- Rock- Blues- und Jazzmusik findet. Es ergaben sich dann Handelsbeziehungen mit Gambia, die 1998 zur Gründung der Firma Drum*Param führten. Das Geschäft war der Import afrikanischer Djembetrommeln, die in einer Art Schuppen als Werkstatt von mir zu hochwertigen Instrumenten weiterverarbeitet wurden, ein weiteres Standbein war und ist die Veranstaltung von Workshops und Unterricht. 2002 lernte ich zwei der Erfinder von Hempstone, Martin Ernegg und Robert Bramsteidl, Oberösterreicher, bei einer Veranstaltung kennen. Das Verfahren, mit dem Sie Didgeridoos und Möbel machten faszinierte mich und ich begann den Bau meiner ersten Prototypen von Djembetrommeln. Die Ergebnisse ließen mich nicht zweifeln. Leider wurde das Unternehmen geschlossen und das inzwischen zum pct - Patent gereifte Verfahren wurde von Richard Hurding und Sarah Phillips dann weitergeführt. Ich erwarb von den neuen Patentinhabern eine Lizenz mit Exclusivrechten für Musikinstrumente und Kunstgegenstände und begann das Verfahren für meine Zwecke in einer inzwischen angekauften alten Textilfabrik auszubauen. Dabei war mir mein umfangreiches Wissen als Chemiker, Techniker und Handwerker sowie meine kaufmännische Ausbildung als akad. Werbekaufmann sehr hilfreich. Drum*Param hat jetzt den Status eines Startunternehmens mit funktioniertender Technologie, es gibt realisierte Kleinserien, die vom Markt gut angenommen werden. Deshalb bin ich intensiv auf der Suche nach interessierten Investoren und Beteiligungen und im weiteren nach geeigneten MitarbeiterInnen, um die Kapazitäten auszubauen.

Klaus-Martin Meyer: Sie bauen Musikinstrumente aus dem Werkstoff Hempstone. Wie gut ist Hempstone hierfür geeignet?

Norbert Schmid: Wir nennen den Werkstoff Hempstone R, “Hanfstein”, so wie die Erfinder und haben den Namen geschützt. Hempstone besteht ausschließlich aus getrockneter, zuvor nass vermahlener Hanfzellulose, ist sozusagen Zelfo aus Hanf. Das Erstaunlichtse daran ist, dass die Masse, eventuell nur gefärbt, ohne bindende Zusätze einfach nur austrocknet. Adhäsive Kräfte und molekulare Kräfte, sogenannte Wasserstoffbrückenbindungen bewirken ein dichtes Binden und Verfilzen der Fasern zu einem kompakten, extrem festen Werkstoff. Das Patent beschreibt die Art der Mahlung und die besondere mechanische Verarbeitung der Masse.
Da wir die Fasermischungen varieren können, lässt sich der Werkstoff in gewissen Bereichen in seiner mechanischen und damit akustischen Eigenschaft steuern, so als ob man Weichholz oder Hartholz nehmen würde. Das macht Hempstone zusätzlich akustisch interessant.
In einer Kooperation fertigten wir den von Adam Wehsely-Swiczinsky entworfenen Gitarrenkörper der Hanfgitarre Mada. Andreas Neubauer zaubert dann daraus das fertige Instrument. Trommeln werden meist aus einem Baum geschnitzt oder gedreht, 80 kg Baum ergeben 72 kg Abfall und 8kg Trommelkörper, das klingt nicht wirtschaftlich, noch dazu geschieht das in der Sahelzone von Westafrika, wo die Bäume rar sind, oder?
Mit Hempstone lassen sich exakt konstruierte und damit optimal klingende Trommeln mit weniger Gewicht bauen. 4kg Trommelkörper wachsen auf 4-6 m2 Hanffeld, minimal gedüngt und ohne Chemieeinsatz und das jedes Jahr, ohne Abfall und ohne olefine Kunsstoffe. Das sind doch Argumente!

Klaus-Martin Meyer: In der Hanfszene haben Ihre Produkte seit Jahren einigen Anklang gefunden. Ist Hempstone auch ein Marketing-Vehikle um Aufmerksamkeit zu erzeugen?

Norbert Schmid: Nun, wir sind wir ja noch nicht viele Jahre am Markt damit. Die ersten Kleinserien von Hempstone Trommeln und Didgeridoos wurden trotz des vergleichsweise hohen Preises, schon ihres vielfältigen farbigen Designs und des geringen Gewichts wegen, gepaart mit eindrucksvollem Klang vom Markt rasch angenommen. Vor allem Frauen, sie sind einfach innovativer und rascher interessiert, lassen sich von den farbenkräftigen und leichten, ökologischen Modellen beeindrucken. Die Ächtung des Hanfes ist für mich mehr als nur einer der größten Irrtümer der Menschheit. Sie wurde begonnen und aufrechterhalten von einer machtgierigen Industrielobby. Am Hanffeld gibt es für die Agrarchemie nichts zu verdienen, es sind keine Abhängigkeiten der Bauern damit zu schaffen. Die Drogenwirkung, die ja nur wenige Sorten haben, ist also ein vorgeschobenes Argument. Es ist ja heute noch so, dass Menschen die Stirn falten wenn wir von Hanf sprechen, so stark konnte das Verbot in der Gesellschaft verankert werden. Hanf produziert die beste, dauerhafteste Zellulose, mit Erträgen bis 10 t pro HA, benötigt keine Herbizide, da er sich gegenüber Nebenkräutern durchsetzen kann.
Ob diese Sache nun ein Marketingargument ist? Wir wollen unsere Instrumente nicht über die Drogendiskussionen vermarkten, aber wenn es der Aufklärung über die Wahrheit dient, dann soll die Geschichte des Hanfes ein Instrument sein, dann soll uns die Aufmerksamkeit recht sein.

Klaus-Martin Meyer: Welches Potential sehen Sie für Hempstone über Ihre Musikinstrumente hinaus?

Norbert Schmid: Die Frage führt mich zum Gedanken, was braucht der Mensch alles, um glücklich Leben zu können? Hempstone oder Zelfo ist auch etwas Widerspenstiges, lässt sich nicht so leicht in jede technische Form zwingen, man muss seine Eigenschaften annehmen und akzeptieren können, kreativ sein, um daraus etwas Sinnvolles zu formen. Es ist damit unserer mathematisch kontrollierten Kultur gegensätzlich, verlangt von uns die Akzeptanz natürlicher Kräfteverhältnisse. Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte lassen sich viele Gegenstände herstellen, die dem Menschen nützlich sein können. Die Trommel als Symbol des Rhythmus und Instrument des Tanzes bringt Freude und Freiheit. Unterdrückten Völkern wurde immer das Trommeln verboten.
In unserer Gesellschaft hat sich das percussive Musizieren in so vielen Schichten seit Jahrzehnten verbreitet. Das Didgeridoo als physikalisch einfachstes, archaisches aber tonal komplexestes Blasinstrument ergänzt diese Entwicklung hervorragend. Mir scheint das für den Beginn einer “Zelfo-Hempstone-Zeit” ein stimmiger Ansatz zu sein.

Text-Copyright 30.Juli 2008 Norbert Schmid www.drumparam.at


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Datum: Mittwoch, 30. Juli 2008 7:10
Themengebiet: Hanf Trackback: Trackback-URL
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