“Die SunCoal Industries GmbH wandelt Biomasse in Kohle um.” - Im Gespräch mit Hans-Joachim von Massow
Klaus-Martin Meyer: Herr von Massow, Sie sind einer der Geschäftsführer, der Firma SunCoal Industries GmbH. Könnten Sie sich, Ihre Mitstreiter und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?
Hans-Joachim von Massow: Die SunCoal Industries GmbH wandelt Biomasse in Kohle um. Die Verbrennung dieser Kohle ist CO2-neutral. Wir nutzen nur Biomasse alternativ zur Verrottung, stehen nicht in Lebensmittelkonkurrenz und leisten damit einen positiven Beitrag zum Klimawandel.
Unsere Kohle nennen wir SunCoal® - Sonnenkohle. SunCoal® ist bei z.B. der Verbrennung CO2-neutral. Das heißt, es wird nur das CO2 freigesetzt, dass während des Pflanzenwachstums durch die Photosynthese gebunden wurde. Dies steht ganz im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen: werden diese z.B. verbrannt, so entweicht CO2, dass die Pflanzen vor vielen Millionen Jahren gebunden haben und das dem CO2-Kreislauf der Erde eigentlich schon entzogen war. Wir substituieren fossilen Kohlenstoff und leisten damit einen positiven Beitrag zum Klimawandel.
Die Umwandlung von Biomasse zu Kohle hat den großen Vorteil, dass Biomasse damit für herkömmliche Kohletechnologien nutzbar wird. Dies gilt auch für nasse Biomassen und inhomogene Fraktionen, die heute nicht optimal verwertet werden. Beispiele sind etwa Reststoffe aus Vergärungsprozessen, kommunaler Straßengrünschnitt, Klärschlamm, landwirtschaftliche Reststoffe aber auch Holz und Stroh. Da diese Reststoffe nutzbar sind, können wir es uns leisten, nicht in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln zu gehen. Wir wollen einen positiven Beitrag zum Klimawandel leisten. Daher nutzen wir nur Biomasse, die alternativ verrotten würde.
Wir haben SunCoal zu viert gegründet. Ich habe an der Universität Witten-Herdecke Wirtschaftswissenschaften studiert und anschließend für Roland Berger Unternehmen in Deutschland und Osteuropa beraten. Nun bin ich bei SunCoal für Biomasse und Vertrieb zuständig. Friedrich von Ploetz hat an u.a. der Handelshochschule in Leipzig Betriebswirtschaft studiert und einen MBA am INSEAD in Frankreich absolviert. Anschließend hat er als Projektmanager für Roland Berger Unternehmen in Deutschland und Osteuropa restrukturiert. Bei uns ist er für die Finanzen zuständig. Dr. Tobias Wittmann ist promovierter Energie- und Verfahrenstechniker der TU Magdeburg und TU Berlin. Er war für Volkswagen in der Brennstoffzellenforschung und hat auch bei einem Betreiber von Windkraftanlagen als Projekt Manger gearbeitet. Er leitet bei uns die Forschung und Entwicklung. Christian von Olshausen hat Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Dresden studiert, hat bei Daimler in der Brennstoffzellenforschung gearbeitet und anschließend für Procter & Gamble eine Produktion geleitet. Dies macht er nun auch bei uns. Uns verbindet unter anderem die Begeisterung für erneuerbare Energien und der Traum vom selbst gegründeten Unternehmen.
Klaus-Martin Meyer: Worin sehen Sie die wichtigsten Herausforderungen Ihr Verfahren technisch wie ökonomisch zu etablieren?
Hans-Joachim von Massow: Die wichtigsten technischen Herausforderungen liegen in der Konstruktion einer wirtschaftlichen Anlage industriellen Maßstabs. Dafür suchen wir unter anderem hervorragende Mitarbeiter für die Chemie und Verfahrenstechnik.
Klaus-Martin Meyer: Verstehe ich Ihr Mission-Statement richtig, dass in Deutschland das von Ihnen entwickelte Verfahren auch von Ihrer Firma selbst zur Anwendung gebracht werden soll, die Technologie aber auch an Dritte vermarktet werden wird?
Hans-Joachim von Massow: Wir wollen unsere Anlagen selbst betreiben und das Endprodukt, SunCoal®, vertreiben. Gleichzeitig können wir uns vorstellen, die Anlage auch gemeinsam mit Partnern zu betreiben oder die Technologie an Dritte zu vermarkten. Hier ist noch vieles vorstellbar.
Klaus-Martin Meyer: Können Sie uns etwas zur Enegiebilanz des von SunCoal sagen. Wie viel Energie muss zunächst aufgewendet werden, um die Kohle zu gewinnen?
Hans-Joachim von Massow: Das ist eine sehr wichtige Frage. Bei dem Umwandlungsprozess wird Energie, die in der Biomasse gespeichert wird als Wärme frei. Das heißt, wir müssen den Prozess anfangs aktivieren. Anschließend brauchen wir keine zusätzliche externe Energie mehr. Natürlich verlieren wir etwas Energie aus der Biomasse. Aber das Verfahren ist anderen Technologien hier weit überlegen. Daher ist der Prozess ökonomisch interessant und auch ökologisch sinnvoll.
Klaus-Martin Meyer: Wie hilfreich der Gewinn des Wirtschaftswoche Gründerpreis für Ihre Firma. Würden Sie anderen Firmen aus dem Bereich nachwachsender Rohstoffe empfehlen, an solchen Wettbewerben teilzunehmen?
Hans-Joachim von Massow: Der Gewinn dieses Preises ist für uns natürlich sehr wichtig. 300.000 Euro Sachpreise sind viel wert. Hinzu kommen langfristige Kontakte, Erleichterung im Marketing und auch ein Professionalisierungsdruck. Wir sind den Stiftern dieses Preises, allen voran der Wirtschaftswoche, aber auch dem Investorennetzwerk Brans-to-Ventures, der Anwaltskanzlei White & Case, den Personalberatern von Heidrich & Struggle, der Werbeagentur Jung-von-Matt und dem Unternehmernetzwerk Entrepreneurs Organization sehr dankbar dafür. Es ist eine Freude, mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten. Daher können wir generell andern Firmen empfehlen, an solchen Wettbewerben teilzunehmen. Auch wenn jeder seinen speziellen Einzelfall immer am besten beurteilen kann.
Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss unsere Standardfrage: Wo steht SunCoal Industries in fünf Jahren?
Hans-Joachim von Massow: SunCoal Industries wird in fünf Jahren kommerzielle Anlagen zur Herstellung von Kohle aus Biomasse betreiben und die Kohle SunCoal® n Deutschland und auch international vertreiben. Wir werden bis dahin eine Reihe hochqualifizierter Arbeitsplätze im brandenburgischen Speckgürtel von Berlin geschaffen haben. Wir werden einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssicherheit Deutschlands mit Energie und zur Verringerung der CO2-Emissionen leisten. Wir freuen uns, wenn wir dies gemeinsam mit vielen Partnern und guten Mitarbeitern erreichen können.
Stichworte: Hans-Joachim von Massow, SunCoal

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