“agnion ist heute mit rund 40 Mitarbeitern ein Vorreiter in der Umwandlung von holzartiger Biomasse in Strom und Wärme.” - Im Gespräch mit Dr. Stephan Mey
Klaus-Martin Meyer: Herr Dr. Mey, Sie sind Geschäftsführer der Firma agnion Technologies GmbH. Würden Sie ihre Firma bitte kurz vorstellen?
Stephan Mey: Sehr gern. agnion ist heute mit rund 40 Mitarbeitern ein Vorreiter in der Umwandlung von holzartiger Biomasse in Strom und Wärme. Hauptsitz des Unternehmens ist in Hettenshausen (Pfaffenhofen a. d. Ilm), weitere Standorte sind in Graz, Österreich und in Delaware, USA.
Die agnion Gruppe wurde 2007 gemeinsam mit dem Münchener Investor Munich Venture Partners und dem amerikanischem Investor, Kleiner Perkins Caufield & Byers gegründet. Inzwischen konnten mit Wellington Partners und der amerikanischen Waste Management Inc. weitere renommierte und strategische Investoren gewonnen werden. agnion nutzt die patentierte, innovative Heatpipe-Reformer-Technologie, die eine zuverlässige Strom und Wärmeversorgung zu wettbewerbsfähigen Kosten sicherstellt.
Klaus-Martin Meyer: Was genau hat es mit der “innovativen Heatpipe-Reformer-Technologie” auf sich? Können Sie diese auch dem Laien mit ein paar Worten erklären?
Stephan Mey: Ganz einfach gesagt: Bei der Holzvergasung wird Holz zuerst verbrannt, dann wird die Luftzufuhr abgedreht und wenn nun neues Holz zugeführt wird kann dieses nicht mehr verbrennen, sondern wird zu Gas. Dieses Holzgas kann prinzipiell zur Gas- und Stromerzeugung genutzt werden.
Um dem Problem der Verunreinigung des Holzgases und der Stickstoffanreicherung entgegen zu wirken, setzen wir auf die Trennung von Verbrennung und Vergasung in zwei getrennten Kammern. Der besondere Clou an unserem Heatpipe-Reformer ist der effiziente Wärmeeintrag in den Vergaser über sogenannte Heatpipes (Wärmerohre). Durch dieses Verfahren erzielen wir ein hochwertiges Synthesegas zur nachgeschalteten Strom- und Wärmeerzeugung.
Klaus-Martin Meyer: Können Sie uns auch etwas zu der Anwenderseite sagen. Für wen kommen Ihre Anlagen in Frage?
Stephan Mey: Die Anlagen kommen für zahlreiche Anwender zur dezentralen, regenerativen Energieversorgung in Frage. Beispielsweise für Gemeinden liefert die nur 9 x 9 x 12 m große Anlage jährlich dauerhaft – ohne Wetterschwankungen – genauso viel Strom wie ein typisches 2MW-Windrad auf einem Feld und dazu noch (Nah- oder Fern-)Wärme. Auch für Industrieanlagen mit Prozesswärmebedarf oder größere Gebäudekomplexe kann unser Heatpipe-Reformer eine rentable Lösung zur Strom- und Wärmeversorgung sein. Eine dritte Gruppe sind Betriebe der Holz- und Fortwirtschaft, die Ihre eigenen Reststoffe effizient nutzen wollen und unabhängig von anderen Energielieferanten werden möchten. Mittelfristig können unsere Anlagen im dezentralen Energiemix von Energieversorgungsunternehmen eine wichtige Rolle einnehmen.
Klaus-Martin Meyer: Kürzlich zählte die Wirtschaftwoche Ihre Firma zu den 30 wichtigsten Greentech-Startups. Ist eine solche Erwähnung nur Bestätigung für das bisher erreichte oder bringt es auch im Hinblick auf die Zukunft zählbaren Nutzen?
Stephan Mey: Beides ist der Fall. Natürlich ist es eine tolle Anerkennung, wenn eine so renommierte Zeitschrift wie die Wirtschaftswoche – gemeinsam mit dem Beratungshaus Roland Berger – die eigene Technologie als besonders aussichtsreich einstuft. Darüber hinaus hat die Veröffentlichung auch einen messbaren Anstieg von Anfragen potentieller Kunden und Investoren nach sich gezogen.
Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss unsere bekannte Fünfjahresfrage. Wie wird sich der Markt für Biogasanlagen im Allgemeinen und für agnion im Besonderen in den kommenden fünf Jahren entwickeln?
Stephan Mey: Mit Sicherheit entwickelt sich der Markt für Biogasanlagen sehr dynamisch. Gerade weil diese Technologie im Vergleich zu Sonnen- und Windenergie eine kontinuierliche Grund- und Spitzenlastversorgung gewährleisten kann, wird sie eine erhebliche Rolle in der Ablösung der Atomkraft durch erneuerbare Energien einnehmen.
Für agnion konkret erwarten wir in fünf Jahren ein jährliches, europaweites Installationsvolumen von etwa 300 MW-Leistung. Der Vorteil des agnion-Anlagenkonzeptes ist die ausschließliche Verwendung holzartiger Biomasse (z.B. Landschaftspflegematerial, Waldrestholz, Hackschnitzel). Es werden folglich keine Nahrungsmittel eingesetzt und es gibt keinen zusätzlichen Flächenbedarf zur Brennstoffversorgung. Darüber hinaus gibt es keinerlei Geruchsproblematik und auch der lokale Logistikaufwand, mit etwa einer LKW-Anlieferung pro Tag, ist fast nicht erwähnenswert.
Stichworte: Biomasse
