Umfrage zur EU-Agrarpolitik zeigt Unwissenheit des EU-Bürgers

Geschrieben von: Michael Pankratius

TNS Opinion führte im Auftrag der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung eine Umfrage zum Thema EU-Agrarpolitik durch. Vom 13. November bis zum 9. Dezember 2009 wurden in jedem der 27 EU-Mitgliedstaaten rund 1000 Bürger befragt. In Deutschland waren es 1.500 Personen, in Luxemburg, Malta und Zypern jeweils 500.

Aus der jüngsten Eurobarometerumfrage, die am Dienstag vergangener Woche in Brüssel vorgestellt wurde, geht hervor, dass über zwei Drittel der Deutschen noch nie etwas von der gemeinsamen Agrarpolitik gelesen oder gehört haben. 30 % der Bundesbürger kennen die EU-Agrarpolitik als Begriff, doch nur 10 % sagen: „Ja, und ich weiß, worum es sich dabei handelt.“ Etwa 1 % machte keine Angabe. Im EU-Durchschnitt steht es um die Kenntnisse nur geringfügig besser: 13 % der Befragten erklärten, mit der Agrarpolitik etwas anfangen zu können, während 28 % sagen, sie hätten davon schon einmal gehört, wüssten aber nicht genau, worum es sich dabei handle. Rund 57 % gestehen ihre völlige Ahnungslosigkeit ein.

Dennoch unterstützen die europäischen Bürger überwiegend die neuen Ziele der EU-Agrarpolitik und befürworten die Beibehaltung des Agrarhaushalts.

Die Kommission stellte eine große Zustimmung zur Förderung des Biolandbaus fest. 84 % der befragten EU-Bürger und annähernd genauso viele Deutsche sind dafür. Unterstützung für erneuerbare Energien wie Biogas, Biomasse und Biokraftstoffe finden 83 % des EU-Durchschnitts und 77 % der in Deutschland Befragten gut. Eine ähnliche hohe Zustimmungsrate von 77 %, findet die Nutzung „neuer biotechnologischer Entwicklungen“. Allerdings geht aus der Untersuchung nicht hervor, ob sich die Befragten im Klaren waren, dass sie damit implizit auch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) befürworten. Im Jahr 2005 hatten sich in einer anderen Eurobarometerumfrage 58 % der Europäer gegen GV-Nahrungsmittel ausgesprochen.

Rund die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass die Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels geleistet hat. Rund 61 % der Interviewten gehen nicht davon aus, dass die Landwirtschaft zu den Hauptverursachern des Klimawandels gehört. In der Bundesrepublik liegt dieser Anteil bei 73 %. Gleichzeitig stimmen sowohl EU-weit als auch in Deutschland mehr als 70 % der Angesprochenen dafür, dass der Sektor in den kommenden Jahren unter den Auswirkungen des Klimawandels stark leiden werde. Sogar jeweils mehr als 80 % sind der Auffassung, dass die EU den Landwirten dabei helfen sollte, sich an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen. Mehr als zwei Drittel der Europäer und 60 % der Deutschen behaupten, dass die EU-Landwirtschaft vor dem Hintergrund des Klimaschutzes ihre Arbeitsweise ändern müsse, selbst wenn das einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bedeute. In der Bundesrepublik sind laut Umfrage 70 % bereit, ein Zehntel mehr für Agrarprodukte zu zahlen, damit dem Klimaschutz geholfen wird. Das sind 12 Prozentpunkte mehr als im EU-Durchschnitt.


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Datum: Mittwoch, 7. April 2010 10:54
Themengebiet: Allgemein | Trackback: Trackback-URL
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