“Die Verwendung von Lachsleder ist sehr vielfältig.” - Im Gespräch mit Holger Hain (Fa. Salmo Leather GmbH)
Klaus-Martin Meyer: Herr Hain, Sie sind der Geschäftsführer der Firma Salmo Leather GmbH. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?
Holger Hain: Meine Person spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich bin Geschäftsführer der Salmo Leather GmbH, das glaub ich ist ausreichend :-). Die Salmo Leather GmbH ist zu 75% in privater Hand, nämlich von den vier Personen, die auch bis 2007 Eigentümer des weltweit größten Räucherlachsherstellers, der Fa. Laschinger GmbH war. Der neue Eigentümer der Laschinger GmbH ist ebenfalls ein Räucherlachsproduzent und hält über die Laschinger GmbH 25% der Salmo Leather GmbH.
Somit ist für die Salmo Leather die Rohwarenversorgung sichergestellt. Sitz und Produktion der Salmo Leather GmbH ist in Bischofsmais, im Bayerischen Wald nähe Deggendorf. Wir beschäftigen derzeit 40 Mitarbeiter.
Klaus-Martin Meyer: In meiner Wahrnehmung ist die stofflich Nutzung von Fischhäuten (noch) eher eine Kuriosität. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich in diesem Bereich zu engagieren?
Holger Hain: Der Firmengründer der Laschinger GmbH, Herr Rudolf Laschinger hatte bereits vor ca. 20 Jahren die ersten Versuche zur Herstellung von Lachsleder angestellt. Damals fehlte noch das nötige Kapital und die Zeit und somit das entsprechende KnowHow, um intensiv genug in das Projekt einsteigen zu können. Ab dem Jahr 2005 aktivierten wir das Projekt wieder und entwickelten zusammen mit einem Mann aus der Region Nanai in Sibirien eine weltweit neuartige Gerbemethode.
In den Jahren 2005 bis 2008 haben wir weltweit allen bekannten Gerbereien im Bereich Fish- und Exotic-Leather diese Aufgabenstellung übergeben, die aber keine Erfolge aufzeigen konnten. Dies bestätigte unsere eigene Forschung und während dieser fast 4-jährigen Entwicklungsphase kooperierten wir mit der Fa. BASF, dem Dt. Lederinstitut in Freiberg sowie dem Lederinstitut in Busan, Südkorea.
Das entscheidende Plus bei unserem aufwendigen Verfahren, dass wir in der Lage sind, die komplette natürliche Struktur der Lachshaut zu erhalten. Diese Pigmentierung lässt das Material am Leben.
“nanai” ist der Markenname unseres Lachleders, gewidmet dem kleinem Volk in der Region in Sibirien, wo der Ursprung unserer Gerbemethode liegt. Dabei kann je nach gewünschter Verwendung das Leder in weich oder hart und lackiert gefertigt werden. Natürlich produzieren wir auf Wunsch auch farbiges Leder.
Klaus-Martin Meyer: Presseberichten war zu entnehmen, dass die Fischhäute ausschließlich mit pflanzlichen Mitteln behandeln. Ist dieser Sachverhalt auch ein Verkaufsargument?
Holger Hain: Nicht nur ein Verkaufsargument, sondern Realität! Auch bei der Herstellung wollten wir dies von Anfang an einhalten, chromfreie Gerbung auf pflanzlicher Basis war für uns eins Selbstverständlichkeit. Ein weiteres Plus unserer Herstellung ist, dass kein einziger Fisch wegen unserem Leder sein Leben giben muss, sondern weil er sich als gesundes Lebensmittel auf den Tisch des Menschen etabliert hat.
Somit geben wir einen kleinen Beitrag zur Schließung des ökologischen Kreislaufes.
Klaus-Martin Meyer: Können Sie uns auch etwas dazu sagen, welche Absatzmärkte für Fischleder besonders interessant sind?
Holger Hain: Die Verwendung von Lachsleder ist sehr vielfältig und dehnt sich über viele Branchen aus. Durch die ausserordentlichen Eigenschaften von nanai lag unser Focus anfangs im Bereich Accessoires, wie Taschen, Geldbörsen, Gürtel, Uhrenarmbänder, usw.
Aber nicht nur die “neue” Optik, sondern die zusätzlich hohe Reißfestigkeit und Leichtigkeit bei einer sehr dünnen Beschaffung machten die Entwickler anderer Branchen auf nanai aufmerksam. Nach unseren ersten Marktauftritten auf Messen stellen wir fest, dass die Einsatzmöglichkeiten für unser Material fast grenzenlos sind.
Ob Möbel, Auto, Handy, Waschtische, Luxusartikel, Schuhe, Fashion, Yachtausstatter, Design usw. Jede Branche sucht nach neuen Materialien, das spüren wir besonders. nanai wurde durch das Dt. Lederinstitut in Freiberg in Bezug auf den notwendigen Materialeigenschaften zertifiziert. Meist werden Applikationen von nanai in den Fertigartikel verarbeitet.
In verschiedenen Länder ist jedoch bekanntermaßen das Modebewußtsein unterschiedlich. So wurde bereits ein kompletter Ledersessel mit Natur-Lachsleder für eine Kunden in Tschechien überzogen. In anderen Länder widerum dient unser Leder als Eyecatcher.
Nach unseren Messeauftritten in Hong-Kong und Bologna haben wir derzeit über 500 Interessenten zu bearbeiten, die ersten 10.000 Stück haben wir bereits nach Japan geliefert.
Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß wie gewohnt unsere Standardfrage: Welchen Stellenwert hat das Thema Fischleder in fünf Jahren?
Holger Hain: nanai ist ein Nischenprodukt und dies wird es auch in fünf Jahren sein. Im Gegensatz zu Aktienprognosen wird dies eintreffen, weil wir auch dann noch der einzige Hersteller weltweit sein werden. Wir haben als einziger das KnowHow und die notwendigen Rohwarenmengen
Auch wenn wir aufgrund der steigenden Nachfrage die gesamte anfallende Lachshaut in unserer Lachsverarbeitung zu Leder weiterverarbeiten würden (und das wären immerhin 1 mio m² pro Jahr) wäre dies im Verhältnis zur gesamten Lederherstellung ein kleiner Fisch.
Aufgrund der aufwendigen Herstellung, bei der wir viele Dt. Hände anlegen, befinden wir uns mit unserem Material im höheren mittleren Preissegment. Pro Haut mit einer durchschnittlichen Länge von ca. 50 cm und Beite von ca. 10 cm muss der Privatkunde mit ca. 14,- € Stück rechnen.
Stichworte: Fischleder, Lachsleser, Nanai, Salmo Leather GmbH